lupo cattivo – gegen die Weltherrschaft

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Gemessen am Nutzen für das Gemeinwohl, ist unser Finanzsystem durchgefallen – Entwickeln wir ein neues!

Posted by lupo cattivo - 18/03/2010

von Dieter Sprock/ZEITFRAGEN

Die Finanzkrise hat in zahlreichen Ländern rund um den Erdball die Realwirtschaft in Mitleidenschaft gezogen und unzählige Menschen ihrer Existenzgrundlage beraubt; Arbeitslosigkeit, Armut und Hunger haben weltweit dramatisch zugenommen. Sie hat aber auch die Einsicht reifen lassen, dass es so nicht weitergehen kann. Immer mehr Menschen fragen sich, wie das alles zusammenhängt. In diesem Sinn ist die Krise auch eine Chance für Veränderungen, die es zu nutzen gilt.

Als Mitte 2008 der grosse Finanzbetrug aufflog, waren weltweit plötzlich zahllose Banken vom Konkurs bedroht, darunter einige der grössten US-Banken und andere, die im hochspekulativen internationalen Investment Banking tätig waren. Was war passiert?
Die Börse war seit langem zum Finanz-Casino verkommen. Es wurde spekuliert und gewettet. Der Umsatz hatte nur noch zu einem ganz geringen Teil mit der realen Wirtschaft zu tun. Nun hatten sich die Wertpapiere renommierter Banken als Schrottpapiere entpuppt, und zwar auch solche, die zuvor von sogenannten Rating-Agenturen als besonders sicher eingestuft und den Kunden mit Bankgarantie verkauft worden waren. Betroffen waren vor allem sogenannte strukturierte Finanzprodukte mit verbrieften langfristigen Zahlungsverpflichtungen wie Hypotheken, Leasing- oder Public Private Partnership-Verträge, aber auch Derivate, Hedgefonds, Private Equity-Fonds und andere Finanzprodukte.Ein betrügerisches Schneeballsystem

Entscheidend war, dass die Geschäfte nicht durch Eigenkapital der Käufer finanziert wurden, sondern durch Kredite Dritter. So wurde ständig neues fiktives Geld geschaffen, das ­lediglich aus Schulden bestand. Am bekanntesten sind die Hypothekarkredite, die von US-Banken an Millionen von Bürgern vergeben wurden, ohne deren Zahlungsfähigkeit überhaupt zu prüfen. Die Banken waren gar nicht darauf bedacht, dass diese Kredite zurückbezahlt wurden, sondern verkauften sie so schnell wie möglich an andere Banken weiter. Diese nahmen für den Kauf Kredite bei einer dritten Bank auf und verkauften sie ebenfalls weiter, und so weiter und so fort. Das Ganze war eine Art offenes Schneeballsystem, das von einem Heer von Beratern, Verkäufern, Anwaltskanzleien und Rating-Agenturen begleitet wurde, die sich gegenseitig die Bonität der Produkte bestätigten und bei jeder Transaktion fette Provisionen einstrichen. Die Hauskäufer waren mit Niedrigstzinsen gelockt worden, die aber nur für die Anfangsjahre galten. Als sie bei steigenden Zinsen ihre Hypotheken nicht mehr bedienen konnten, verloren sie alles. Hunderttausende, die ihr Haus oder ihre Wohnung verloren haben, leben heute in den USA in Zelten.
Eine ähnliche Blase wartet noch im gewerblichen Immobilienmarkt.

Folgen für die Realwirtschaft

Als die Spekulationsblasen in mehreren Ländern gleichzeitig platzten, hielten einige der grössten Akteure faule Papiere für Hunderte von Milliarden Dollars in ihren Depots, für die kein Gegenwert vorhanden war. Zum Beispiel Lehmann Brothers, eine der traditionsreichen US-Investmentbanken, 1850 gegründet, meldete am 15. September 2008 Insolvenz an. Die Schuldenlast betrug 613 Milliarden Dollar, laut Insolvenzgericht. Rund 29 000 Angestellte verloren ihren Arbeitsplatz.
Der Finanzmarkt kam zum Erliegen. Die Banken gaben sich gegenseitig keine Kredite mehr, und damit geriet die sehr kapitalintensive globalisierte Wirtschaft rasch in eine tiefe Rezession. Die Folgen sind bekannt: Betriebsschliessungen, Unternehmenspleiten, massiver Stellenabbau, Entlassungen und eine enorme Zunahme der Arbeitslosigkeit, der Armut und des Hungers, nicht nur in den ärmsten Ländern.
Angel Gurria, Generalsekretär der OECD, spricht von 17 Millionen neuen Arbeitslosen in den OECD-Staaten, verglichen mit 2007. Für 2010 rechnet er mit zusätzlich weiteren 5 Millionen (Interview in der «Neuen Zürcher Zeitung» vom 29. Januar). Die Ökonomen der OECD erwarten einen «dauerhaft grösseren Sockel der Beschäftigungslosigkeit».

Staatsverschuldung

Um einen völligen Zusammenbruch des Finanz- und Wirtschaftssystems zu verhindern, was womöglich zu Panik und Chaos geführt hätte, sahen sich die Regierungen vieler Länder gezwungen zu intervenieren. Sie unterstützten Grossbanken bei der Übernahme kleinerer Banken, die vom Konkurs bedroht waren, gewährten gefährdeten Grossbanken Stützungskredite in zwei- und dreistelligen Milliardenbeträgen oder übernahmen bedrohte Banken gleich selber. Sie pumpten Geld in den Wirtschaftskreislauf, zum Beispiel in Form von Abwrackprämien. Und stellten, da wo sie konnten, über ihre Zentralbanken billiges Geld zur Verfügung.
Mit den staatlichen Stützungsprogrammen wurden aus den Schulden, welche die Banken durch Spekulation und Betrug am Börsen-Casino angehäuft hatten, Staatsschulden – mit allen bekannten Konsequenzen. Die Verschuldung einzelner Länder explodierte förmlich. Angel Gurria rechnet damit, dass die Summe der Schulden aller OECD-Staaten Ende 2010 grösser sein wird als das entsprechende Bruttoinlandprodukt dieser Länder.
Schon heute wird im öffentlichen Sektor überall der Rotstift angesetzt, ganz besonders bei den Sozialausgaben, im Bildungswesen sowie in der Gesundheits- und Altersvorsorge. Überall muss gespart werden. Einigen Ländern droht der Staatsbankrott und damit der Verlust der politischen Eigenständigkeit, wie die Beispiele Lettlands, Islands und Griechenlands zeigen. Alle drei galten vor der Krise als Vorzeigestaaten für wirtschaftliche Prosperität.
In Lettland steht heute der öffentliche Sektor praktisch unter IWF- und EU-Verwaltung. Zahlreiche Krankenhäuser und Schulen wurden geschlossen, Tausende Lehrer und Mitarbeiter des Gesundheitswesens entlassen und die Löhne halbiert. In Island sollen die Steuerzahler auf Druck der EU in einem solchen Ausmass für die Schulden ihrer privaten Banken haftbar gemacht werden, dass Bruno Bandulet von der « finanziellen Versklavung einer ganzen Generation» spricht und den Vorgang mit dem Diktat von Versailles vergleicht (siehe Zeit-Fragen Nr. 1 vom 4.1.2010). Und Griechenland steht unter strenger EU-Überwachung, die sicherstellen soll, dass es das Brüsseler Stabilitätsprogramm einhält. Dazu gehören Kürzungen der Staatsausgaben und der Löhne im öffentlichen Sektor und die Erhöhung des Rentenalters.
Doch es regt sich Widerstand. In Lettland demonstrieren Bürger für bessere Löhne. Sie wehren sich dagegen, dass die Regierung eine Schuld unterschreibt, die sie gar nicht schuldet. In Island hat das Volk die Rückzahlung der von den Banken verursachten Schulden in einem Referendum entschieden abgelehnt. Und auch in Griechenland wehrt sich das Volk gegen das Diktat von Brüssel (siehe Zeit-Fragen Nr. 5 vom 1.2.2010).

Grossbanken als Profiteure

Mitten in die Krise, während die Regierungen die Bevölkerung auf einen weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit vorbereiten, platzen wie zum Hohn die ersten Meldungen vom Wiederaufschwung der Wirtschaft, der allerdings nur an den Börsen stattfindet. «Platzhirsche der Wall Street profitieren von der Krise. Lukrative Beratungsmandate für Broker», titelt die «Neue Zürcher Zeitung» am 9. Juni 2009. Und einen Monat später, am 17. Juli, lautet die Schlagzeile: «JP Morgan glänzt mit hohem Gewinn. Vollständige Rückzahlung der staatlichen Kapitaleinlagen.» Morgan hatte seinen Reingewinn gegenüber dem Vorjahr um 36% gesteigert, zusätzlich 10 Milliarden Dollar Rückstellungen vorgenommen und erst noch die staatliche Kapitaleinlage von 25 Milliarden Dollar samt Dividenden zurückgezahlt und sich damit aus der Verpflichtung gegenüber dem Staat freigekauft. Ende Oktober wartet die Credit Suisse mit ähnlich hohen Gewinnmeldungen auf. Der Reingewinn von 2,4 Milliarden Franken für das dritte Quartal war der höchste, den die CS je für ein drittes Quartal ausgewiesen hat, und das gesamte Jahr das drittbeste in der Firmengeschichte.
Der Grossteil der Gewinne wurde im Investment Banking realisiert, in genau jener Sparte, die ein Jahr zuvor die Turbulenzen ausgelöst hatte. Dazu die «Neue Zürcher Zeitung» am 24. Oktober: «Ausgerechnet das Investment Banking, die Hauptquelle des Branchendebakels im letzten Jahr, entpuppt sich heuer als stärkste Profitmaschine. Bei der CS entfielen rund zwei Drittel des Vorsteuergewinns auf das Investment Banking. Der Spatengewinn ergab laut CS eine Vorsteuerrendite auf das eingesetzte Kapital von 37%» (!).
Das Geschäft profitierte laut «Neuer Zürcher Zeitung» von einer überdimensionalen Reduktion der (Lohn-)Kosten, dem Anstieg der Aktienkurse, der Billiggeldpolitik der Notenbanken, die in Kombination mit steigender Risikofreude der Investoren wie eine Lizenz zum Gelddrucken wirke und nicht zuletzt vom Verschwinden wichtiger Marktteilnehmer, die übernommen oder geschwächt waren (Lehman, Bear Stears, Merrill Lynch, UBS).
Offenbar findet ein gnadenloser Verdrängungskampf statt. Seit 2007 haben allein in den USA 187 Banken die Türen geschlossen («Neue Zürcher Zeitung» vom 22.2.10). Und das Bankensterben geht weiter. Die grössten Institute sind noch grösser geworden und gehen gestärkt aus der «Krise» hervor. Die eigentliche Krise aber ist eine Krise der Arbeit, die bereits Anfang der 90er Jahre nach dem Zusammenbruch des kommunistischen Konkurrenzmodells begonnen hat. Seither wurden auf der Jagd nach immer grösseren Gewinnen massenhaft qualifizierte Arbeitsstellen vernichtet. Die Krise hat diesen Prozess beschleunigt.

Wie weiter?

Hat vor der Krise sich vielleicht manch einer noch vom Marmor der grossen Banken blenden lassen und sogar damit geliebäugelt, selbst ein wenig vom grossen Reibach zu profitieren und auch sein Geld für sich arbeiten zu lassen, wie es in der Werbung heisst, so sind ihm spätestens jetzt die Augen aufgegangen. Das heutige Finanz- und Geldsystem ist eine Erfindung, die von Anfang an darauf gerichtet war, den Reichtum einiger weniger zu mehren und ihre Macht zu festigen, ohne dass es die grosse Mehrheit merkt.1 Arbeitslosigkeit, Hunger und Krieg sind nicht Zeichen seiner Krise, sondern integraler Bestandteil dieses Systems.2 Eines verbrecherischen Systems! Ein Finanzsystem, dass wie dieses auf Täuschung und Betrug aufgebaut ist, wird auch durch einige Regulierungen nicht ehrlicher. Es muss längerfristig durch ein neues ersetzt werden, das sich von Grund auf am Gemeinwohl orientiert.
Damit können wir heute anfangen. Das Rad muss nicht neu erfunden werden. Es gibt bereits viele gute Ideen, die aufgegriffen und weiterentwickelt werden können. Wenn die Menschen sich erst einmal vom Profitdenken befreit haben und sich wieder auf ihren eigenen Verstand und ihre eigene Schaffenskraft verlassen, werden unzählige neue hinzukommen, die alle in friedlicher Konkurrenz nebeneinander leben können. Es wird viele richtige Lösungen geben, die sich einzig am Nutzen für das Gemeinwohl messen lassen müssen. Daran gemessen, ist unserer Finanzsystem durchgefallen.
Schon heute gibt es viele kleine Banken, die sich am Börsen-Casino nicht beteiligen. Das braucht es nicht, um vernünftig wirtschaften zu können. Sie beschränken sich auf das klassische Bankgeschäft des Geldaufbewahrens und der Gewährung von Krediten; und das zu vernünftigen Konditionen. Zeit-Fragen hat in letzter Zeit einige solcher Beispiele vorgestellt. Falls notwendig, können auch neue Banken gegründet werden. Raiff­eisen hat es uns vorgemacht. Er hat die Bauern vom Wucherzins befreit.3 Warum soll das heute nicht auch gehen! In Deutschland gibt es die GLS-Banken – Geben, Leihen, Schenken. Warum nicht dieses Motto zum Leitgedanken unseres Umgangs mit Geld machen?
Der Genossenschaftsgedanke, auf den Raiff­eisen sich stützte und den er weiterentwickelte, beinhaltet mehr als eine blosse Anleitung für wirtschaftliche Zweckverbände. Er verkörpert Grundwerte des menschlichen Zusammen­lebens in Gleichwertigkeit und Freiheit.
Überall tun Menschen sich zusammen, in Handwerkskooperationen, Nachbarschaftshilfen, Quartiervereinen, in Städte- und Länderbündnissen. Die Zusammenarbeit ist länderübergreifend und weltumspannend. Sie darf nicht länger durch ein Zwangssystem behindert werden, das in betrügerischer Absicht das Wort «frei» auf seine Fahne schreibt, damit aber die Freiheit meint, die Welt zu versklaven, indem es alles Denken und Handeln dem Profitdenken unterwirft.
Der Weltagrarbericht, von dem nun eine ausgezeichnete Zusammenfassung in deutscher Sprache vorliegt, weist den Weg zu neuem Wirtschaften, bei dem die Völker die Versorgung mit gesunden Nahrungsmitteln selbst in die Hand nehmen und den Hunger beseitigen können.4
Dörfer, die auszusterben drohen, können wieder belebt werden. Sie bieten reichlich Lebensraum für die Entfaltung von Gewerbe und Handwerk und können zu neuem Leben erblühen. Das ist gar nicht so schwer, wenn man erst einmal das alte Denken abgelegt hat. •

1    G. Edward Griffin, «Die Kreatur von Jekyll Island. Die US-Notenbank Federal Reserve. Das schrecklichste Ungeheuer, das die internationale Hochfinanz je schuf», ISBN 3-938516-28-3
2    Naomi Klein, «Die Schockstrategie. Der Aufstieg des Katastrophen-Kapitalismus», ISBN 978-3-596-17407-2, und John Perkins, «Bekenntnisse eines Economic Hit Man. Unterwegs im Dienst der Wirtschaftsmafia», ISBN 3570500667
3    Franz Braumann, «Ein Mann bezwingt die Not.
Friedrich Wilhelm Raiffeisen. Ein Lebensroman», ISBN 978-3-87151-038-0
4    «Wege aus der Hungerkrise. Die Erkenntnisse des Weltagrarberichtes und seine Vorschläge für eine Landwirtschaft von morgen.» Bestellung beim AbL.-Verlag, +49 (0)2381 492 288, verlag@bauernstimme.de

11 Antworten to “Gemessen am Nutzen für das Gemeinwohl, ist unser Finanzsystem durchgefallen – Entwickeln wir ein neues!”

  1. Larry Summers said

    Der Mainstream führt als Gründe für diese Finanzkrise ja immer wieder “verantwortungslose Banker” und “Zocker” an und dem Bundesschaf genügt diese Begründung. Selten jedoch wird erwähnt, auch im vorliegenden Artikel nicht, daß diese Krise BEWUSST inszeniert wurde. Die erwähnten Zockereien wären doch gar nicht möglich gewesen, wenn nicht schon Jahre zuvor die entsprechenden politischen Weichen von “ganz oben” gestellt worden wären. Insbesondere durch die Abschaffung des Glass Steagall Act im Jahr 1999 durch Allen Greenspan (Rothschild Agent) wurde die bis dato strikte Trennung von “normalen” Bankgeschäften und dem sog. Investmentbanking (Handel mit Luftnummern, insbesondere Finanzderivaten)wieder aufgehoben und das Spielkasino konnte beginnen.
    Der unbedarfte Bürger mag sich fragen, welchen Sinn es macht, eine Finanzkrise bewußt zu inszenieren. Um dies zu verstehen, muß man zuerst das freimaurerische Prinzip “Ordnung aus Chaos” kennen. Diese korrupten Subjekte glauben tatsächlich, daß man ein System erst komplett platt machen muß, um anschließend etwas Neues (hier: Weltregierung) aufbauen zu können. Der Bürger soll solange durch Krisenerscheinungen gebeutelt werden, bis er irgend wann mit allem einverstanden ist, was ihm Abhilfe verspricht.
    Und nebenbei erwähnt führte diese Finanzkrise auch nicht bei allen zu finanziellen Nachteilen. Insbesondere die Großbanken bzw. die dahinter stehenden Bankiers haben an gewährten Staatshilfen prächtig verdient und diese Staaten in weitere Zinsabhängigkeiten geführt.

  2. Gordan said

    was geschieht mit der Wahrheit, wenn ein Land einen “Truther” zum Ministerpräsident hatte bzw. einen, der die “Truther” für seine Zwecke zu gebrauchen wußte:

    http://aron2201sperber.wordpress.com/2010/03/17/die-strategie-der-spannung-und-der-gaddafi-freund/

    Leidtragende seiner “Strategie der Ignoranz” waren kleine nazis – für die solltest du eigentlich viel Mitgefühl empfinden

  3. G said

    Hier eine Zusammenfassung eines Vortrags von Dirk Müller-Cashkurs.com

    >nur kurz als Eindruck von den 45. Mündener Gesprächen in Kassel:
    >Dirk Müllers Vortrag war brillant, wenn auch starker Tobak für ein
    >vermeintlich thematisch
    >gut vorbereitetes Publikum: Denn er stellte als mögliches Szenario, das er
    >allerdings sehr
    >entspannt zur Disposition stellte, den amerikanischen Staatsbankrott mit
    >angeschlossener
    >Währungsreform vor:
    >
    >Die USA erleiden nicht, sondern wollen(!) den Zusammenbruch des
    >Welfinanzsystems – Müller
    >nennt das den “reset” des Systems – um 1) zu verhindern, daß ihnen die
    >Chinesen weltwirtschaftlich
    >das Heft komplett aus der Hand nehmen und um 2) den Schuldenberg
    >abzubauen, den sie in den
    >letzten Jahrzehnten aufsummiert haben.
    >
    >Deswegen sanieren sie im Moment systematisch ihre großen Player auf
    >Staatskosten, um
    >danach einen kontrollierten Staatsbankrott nach dem Muster von
    >Unternehmensinsolvenzen,
    >wie sie in den USA möglich sind (“Chapter eleven” der Insolvenzordnung) zu
    >vollziehen.
    >Der Reset werde, so Müller, in den USA bereits aktiv vorbereitet mit allen
    >nötigen Begleitmaßnahmen
    >(systematische Verunsicherung/ Ängstigung der Bevölkerung u.a. durch
    >Schweinegrippe/Terrorkrieg
    >und die heimliche Errichtung von Concentration camps etc.), damit die
    >Bevölkerung den harten
    >”clear cut” in Gestalt von Vermögensverlusten von 70 % als Folge der
    >Währungsreform auch hinnehmen.
    >Geplant ist anschließend eine neue Leitwährung (Korbwährung auf
    >Rohstoffbasis, da Amerika vor allem
    >die Lebensmittelpreise kontrolliert). Das passt relativ nahtlos zu dem,
    >was man auch von der letzten
    >Bilderberger-Konferenz in Griechenland vernommen hat, daß man nämlich dort
    >den Dollar bereits
    >habe sterben lassen.

  4. G said

    Prof.Hankel im Interview

    Griechenland muss für die Deutsche Wirtschaft gerettet werden

    Politik – Russland
    Sabotage-Vorwürfe: Medwedew und Putin nicht mehr Herr im Haus – „Wremja Nowostej”

    http://de.rian.ru/russia/20100323/125584396.html

  5. […] gehören, oder?) in ihrer Kreditwürdigkeit heruntergestuft und durch Geld und Medienmacht werden Spekulationen gelenkt, welche den eigenen Finanzhebel “verstärken” und damit kann natürlich auch […]

  6. Attila said

    Vermag die Ergokratie den Wirtschaftswachstumszwang zu bezwingen? Vortrag im Rahmen des CLUB of VIENNA 07. Jänner 2004 von Karl Mocnik 2 Can Ergocracy Overcome Economic Growth? Karl Mocnik, Austrian Academy of Sciences, A-8042 Graz, Austria Talk held in Vienna January 7th, 2004. Abstract. The forced growth of the economy is an unnaturally accelerated excrescence. It is triggered by an unjust distribution of the means of distribution: the money, which erroneously is conceived of being a means of barter. Its unjust distribution isn’t a consequence of individual greed and stinginess but is caused by the actors of economy (entrepreneurs and depending employees) who want to make “profits” and “net-yields”. They save money. The 5 million savers of small amounts of money loose it to the few 0,06 million big savers. The small companies suffer crises of debt and they depend on foreign capital to an extent of 80% and lack proper capital. The State lacks tax money; the capitalists lend tax money to the State for money interest; politics is seduced to contract unnecessary debts of the State, and prolonged working time is being imposed on the public. Finally, the economy resembles a combat troupe under the command of hostile sergeants. Restoring the States’ power again the acquired Laissez-faire principle has to be dismissed and replaced by a moral principle. Heinr i ch Färber ’ s (1864-1941) Ergocratic doctrine provides the culmination point among the classical doctrines of economy and is the pivot of law and order of the State of the future. E rgoc rac y means governance of power. Not money should govern (P lutoc rac y ) but instead the power governs democratically (E rgoc rac y ). The lecture outlines mechanisms that regularly push a potentially rich economy (the monetariancapitalistic- socialistic one) through the governance of money (Plutocracy) to the brink. Vermag die Ergokratie den Wirtschaftswachstumszwang zu bezwingen? Kurzfassung. Der beschleunigte Wachstumszwang der Wirtschaft ist eine unnatürliche Wucherung. Ausgelöst und zementiert wird er durch eine Ungleichverteilung des – fälschlich „Tauschmittel“ genannten – Verteilungsmittels „Geld“. Dessen ungerechte Verteilung ist nicht Folge individueller Gier oder von Geiz, sondern sie entsteht, weil alle Akteure (Unternehmer und unselbständig Beschäftigte) „Profite“, „Gewinne“ und „Renditen“ „erwirtschaften“ wollen. Sie sparen Geld. Dabei verlieren die 5 Mio kleinen Sparer Nettozinsgeld an die 0,06 Mio großen Sparer. Klein- und Mittelbetriebe geraten in Schuldenkrisen, sind bis zu 80% fremd finanziert und haben kaum Eigenmittel. Dann erhält der Staat weniger Steuergeld; die Kapitalisten und Banken borgen es ihm auf Zinsen. So wird die Politik zu unnötiger Staatsverschuldung verleitet, die Menschen werden zu längerer Arbeit gezwungen und es wachsen die Staatsdefizite. Am Ende macht die gesamte Wirtschaft den Eindruck einer von einer feindlichen Offiziersstandarte kommandierten Kampftruppe. Um Herr im eigenen Haus zu werden, muß das anerzogene laissez-faire Prinzip verworfen und durch eine moralisch starke Vision ersetzt werden! Die ergokratische Wirtschaftslehre des österreichischen Volkswirts Heinr i c h Färber (1864-1941) bildet den Höhepunkt und vorläufigen Abschluß der klassischen Wirtschaftstheorien. Sie ist das Zentrum der Reformideen für eine Neuordnung des Staates: Ergok rat ie bedeutet Leistungsherrschaft. (Ergon – das Werk, die Leistung; kratein – das Herrschen). Nicht das Geld soll autokratisch herrschen (P lutok rat ie), sondern die Leistung soll demokratisch regieren (Ergok rat ie)! Der Vortrag analysiert einige Mechanismen, die eine leistungsfähige Wirtschaft – die monetarisch- kapitalistisch-sozialistische – durch die Herrschaft des Geldes (Plutokratie) regelmäßig an den Rand des Abgrundes drängen und er stellt zugleich den ergokratischen Ausweg vor. Stichworte: Zwangsgeld, Zwangsstaat, Monetarismus, Geldmonopol, Wirtschaftswachstum, Inflation, Chrematistik, Währungs- und Preisstabilitätspolitik, Haushaltswirtschaft, Preis- und Kostenwahrheit, Inflationsverbot, Leistungsgeld, Geldsteuer, Ergokratie. 3 Philosophische Vorbemerkung Das Ziel dieses Vortrags war es weder, zu zeigen, wie die Wirtschaft wirklich funktioniert, noch, wie sie funktionieren sollte. Ein solches Vorhaben wäre unbillig und könnte kaum geleistet werden. Es wurde vielmehr gezeigt, wie Wirtschaft und Staat zu funktionieren scheinen bzw. wie sie funktionieren könnten, um Verteilungsgerechtigkeit zu verwirklichen. Einmal mehr ist an Mor i t z von Sc hl i c k s Verdikt (Wiener Kreis) zu erinnern, wonach man zu unterscheiden habe zwischen der Beobachtung und dem Erkennen. Das Beobachten sei demnach ein zweiteiliger Vorgang: Es gibt den Beobachter einerseits und das beobachtete Objek t andererseits. Das Erkennen hingegen sei ein dreiteiliger Vorgang: Es gibt den Beobachter einerseits, das Objekt andererseits; aber es gibt noch etwas Drittes: dasjenige, als was das Beobachtete erkannt, interpret ier t , wi rd. Wie in der Quantenmechanik, so spielt diese Unterscheidung zwischen dem Beobachten und dem Erkennen auch bei der Beurteilung von Wirtscha f t s f o r – men eine zentrale Rolle bei der Erkenntnisgewinnung! Der Mensch macht sich von jeder Wirklichkeit, auch von einer gedachten oder ersehnten, eine plausible Fiktion, weil er alle Aspekte derselben nicht zu antizipieren vermag. Die so erzeugte Abbildung eines ausgewählten Exzerpts von Strukturen und Prozessen in der Wirklichkeit ist eine Abstraktion und kann sie unmöglich in ihrer Totalität wiedergeben. Man sollte daher nicht diese oder jene Wirtschaftsform als eine einzig selig machende verabsolutieren. Man kann aber Tangenten zu skizzieren versuchen, welche als Leitlinien dienen können zur Orientierung, um das menschliche Leben auf diesem Planeten gemütlicher und nicht unerträglicher zu gestalten. Wie das Ptolemäische, geozentrische Weltbild für fast zwei Jahrtausende eine sehr getreue Deutung der beobachteten Planetenbewegungen zu liefern schien, bedeutete die k o – pernikanische Wende und die durch J ohannes Ke p l e r präzisierte Deutung der Planetenbahnen als Ellipsen, die um die Sonne führen, einen großen qualitativen Sprung. Desgleichen erinnert unser derzeitiges, unzureichend mit „Kapi tal i smus “ bezeichnetes Wirtschaftssystem, an ein mit zahlreichen Fehlfunktionen behaftetes Geschehen. Kotauczek bezeichnet den „Kapi tal i smus “ als eine theoretische Denkfigur. Es hat vieler Erfahrungen mit dem Kapitalismus oder dem, was man darunter verstand, bedurft, um diese plausible Schlußfolgerung ziehen zu können. Da Wesensmerkmale des „Kapitalismus“ auch in den sozialistischen Wirtschaftssystemen zu beobachten waren und sind, scheinen sich die Bezeichnungen „Monetarismus“ bzw. „Mammonismus“ noch besser zu eignen. Monetarismus ist ein sich um das Geld und nur das Geld drehendes Wirtschaftssystem. Noch treffender aber ist der Begriff „Chrematismus“ (private Geldvermehrungskunst). Es kann nicht bezweifelt werden, daß die gegenwärtige Wirtschaft geldzent r ier t ist, früh dargelegt bereits in J. W. v. Goethes „Faust“ (H.-Ch. Binswanger). Eine andere Form von „Kapitalismus“ ist denkbar, ein „gez ähmter Kapi tal i smus “ (Knoflacher, Woltron). Ein solcher „Edelkapitalismus“ wäre das Gegenstück zum Chrematismus. Das ist die Wohlstandsvermehrungskunst für alle oder Lei s tungsher r s c h a f t , auch Ergok rat ie genannt, „Ergon“ (gr.) das Werk, die Leistung; kratein (gr.) – das Herrschen. Das Geld wird entthront zugunsten der produktiven, schöpferischen Leistung. Das Geld hat lediglich Verteilungsfunktion. Ihrem Autor, Hei nr i c h Färber (1864-1941) in Wien, fällt das Verdienst zu, mit der E rgok rat ie ein sorgfältig durchdachtes Modell einer ordnungspolitisch konsistenten Wirtschaftsform formuliert zu haben. Anhand dieses Denkmodells wird der gegenwärtige monetarische Raubtierkapitalismus analysiert. Der Vortrag stellt zuerst eine Reihe von Grundelementen vor, zum Verständnis der Triade „Produktion, Distribution und Konsumption“, der Fehlallokation, staatliche Währungs- und Steuerhoheit, einer Finanzreform und dem Automatismus des erzwungenen Wachstums. Die Analyse der Staatsverschuldung und insbesondere des monetarischen Geldsparkreditsystems anhand eines „Viertakt-Kreisprozesses“ der Entstehung eingefrorener, untilgbarer Schulden nimmt die zentrale Rolle ein. Abschließend werden die Barrieren für den Ausstieg aus dem monetarischen Kapitalismus aufgezählt. Den Schluß bildet eine Adresse an die Republik Österreich für den Austritt aus dem Währungsverbund, nicht aber aus der Politischen Union. 4 Inhaltsverzeichnis Philosophische Vorbemerkung ……………………………………………………………………. 3 Einleitung …………………………………………………………………………………………………… 6 Geld und Geldreform…………………………………………………………………………………… 7 Warum Geldreform, Finanzreform, Steuerreform?………………………………………….. 7 Was ist das Geld?……………………………………………………………………………………… 7 Arten der In-Umlaufsetzung des Geldes und Geldknappheit ………………………….. 10 Der monetarische Geldarten-Dschungel……………………………………………………… 10 Wodurch ist das Geld gedeckt? …………………………………………………………………. 11 Der Intellekt Ursprung der wirtschaftlichen Werte …………………………………………. 16 Die Ergokratie und die Verteilungsfrage………………………………………………………. 16 Die Plünderung der Wirtschaft durch Geldmonopol und Finanz ……………………… 17 Die monetarisch verfasste Wirtschaft beruht auf Zinsen ………………………………… 17 Die ergokratische Wirtschaft kommt ohne das Zinswesen aus……………………….. 17 Geldgewinne kein Wirtschaftszweck!………………………………………………………….. 18 Monetarisches Geldmonopol gegen Leistungswirtschaft ……………………………….. 18 Das innerste Wesen des privaten Geldmonopols …………………………………………. 18 Die trügerischen Begriffe „Konjunktur“ und „Rentabilität“……………………………….. 19 Die Wirtschaft und deren Subkreisläufe……………………………………………………… 20 Das wirtschaftliche Naturgesetz ………………………………………………………………… 21 Die ergokratische Preislehre……………………………………………………………………… 21 Der ungehinderte Geldkreislauf …………………………………………………………………. 22 Ersparnisbildung, Geldkredit und Investitionstheorie …………………………………….. 23 Das unbedingte Recht der Unternehmerschaft, die Gestehungskosten hereinzubringen rechtlich nicht verankert!……………………………………………………. 28 Der Hauptkreislauf der Wirtschaft und das BIP…………………………………………….. 30 Die Dichotomie der Geldmenge in der monetarischen Statistik ………………………. 31 Preisstabilitätspolitik contra Preis- und Kostenwahrheit…………………………………. 33 Inflation und Chrematistik im monetarischen Kapitalismus …………………………….. 33 Währungspolitik ist Konjunkturdämpfung durch Preisstabilisierung …………………. 34 Das wahre Wesen der notenbanktechnischen „Preisstabilisierung“ ………………… 34 Das bürokratische Antlitz des privaten Geldmonopols…………………………………… 36 Zur Computer-Animation der Inflation …………………………………………………………. 36 A. Verteilung ohne Inflation ……………………………………………………………………….. 37 B. Verteilung bei Inflation ………………………………………………………………………….. 38 Bürokratische „Wertschöpfungsabgabe“ kein Heilmittel…………………………………. 40 Der Raub an der Wirtschaft mittels des Giralgeldes ……………………………………… 41 Maßnahme gegen die destruktive Giralgeldschöpfung ………………………………….. 42 Das Wachstum des Geldumlaufs im monetarischen Kapitalismus ………………….. 44 Das monetarische Geldmengenziel (Offenmarktgeschäfte)……………………………. 45 Aktionäre der Nationalbank, jetzt Österreichische Filiale der EZB …………………… 46 Die ergokratische Steuerlehre……………………………………………………………………. 47 Das jetzige, ungerechte und stupide Steuersystem ………………………………………. 47 Was ist die Steuer?………………………………………………………………………………….. 47 Die Automatische Steuer (Ergokratie)…………………………………………………………. 49 Zwei Techniken der indirekten Geldsteuer…………………………………………………… 50 Das ergokratische Geldsparkreditsystem…………………………………………………….. 52 „Steueroasen“ können dem Ordnungsstaat nichts anhaben! ………………………….. 55 Vollkommen entbehrliche Staatsanleihen!………………………………………………….. 55 Knechtschaft der Wirtschaft Zweck der forcierten Exportpolitik ………………………. 56 Bundesschuld und deren Verwaltung eine Impertinenz! ………………………………… 56 5 Konvergenzkriterien: Statt Defizitpolitik wird das Volk bestraft………………………… 57 Die Absurdität von Staatsschulden – Absurdität der Währungsunion ………………. 57 Monetarismus und Zinsendienste ………………………………………………………………. 59 Erfolgreicher Staatsverschuldungstest in der Ersten Republik………………………… 59 Die Geburtsstunde der Ergokratie………………………………………………………………. 60 Die Kinematik der Entstehung der Spargeldansprüche (Kapitalvermögen) ….. 61 Schätzung der „Spareinlagen“ in Österreich ………………………………………………… 61 Was sind „Spargeldansprüche“?………………………………………………………………… 62 Wie könnten Spargeldansprüche von 4 Billionen ÖS entstanden sein? ………………. 62 Der V i e r t a k t p r o z e ß des Wachstums der Spargeldansprüche……………….. 66 Steigflug der Spargeldansprüche: steigende Wirtschaftsschulden ………………….. 67 Ergokratie ist Arbeitsdemokratie ………………………………………………………………… 68 Was bewirken die Spargeldvermögen in der Wirtschaft?……………………………….. 68 Lamentieren und Demonstrieren absolut zwecklos!………………………………………. 71 Riesengeldgeschenke vieler kleiner Sparer an wenige große Sparer………………. 73 Ungefähre Bezifferung des Gesamtverlusts der Wertschöpfenden ……………… 73 Investitionswege der kapitalisierten Zinsgelder…………………………………………….. 76 Das monetarische Duo Arbeitslosigkeit und Exportquote ………………………………. 79 Gibt es einen Wachstumszwang der Wirtschaft?………………………………………….. 80 Der Ausweg aus der Wachstumsfalle…………………………………………………………. 81 Vermag die Ergokratie den Wachstumszwang zu bezwingen?……………………….. 82 Exodus aus der Festung des „monetarischen Kapitalismus“………………………. 83 Die zu überwindenden Barrieren………………………………………………………………… 83 Reformstrategie ………………………………………………………………………………………… 91 Wirkungen der Sofortmaßnahmen ……………………………………………………………… 92 Die antimonetarische Botschaft von Heinrich Färber …………………………………….. 93 Adresse an die Österreichische Republik …………………………………………………… 95 Literatur ……………………………………………………………………………………………………102 6 Einleitung In der Zeit zwischen 1917 und 1941 entstand in Wien die Ergokratische Wirtschaftslehre von Heinrich Färber (1864-1941). Er gok r at i e heißt Leistungswirtschaft. Ergon (gr.) – das Werk, die Leistung, kratein (gr.) – das Herrschen. Diese Lehre bejaht das Recht der produktiven Leistung und verneint das Vorrecht des Geldes. Sie zeigt, wie Gerechtigkeit erzwungen und Unrecht ausgeschlossen werden kann. Verwirklicht wird die gerechte Verteilung der in redlicher Arbeitsteilung entstandenen Beiträge zum materiellen Gesamtwohl durch einfache Reformen des Geldes und des Steuersystems. Ergokratie könnte eine Alternative zum gegenwärtigen Kapitalismus sein. Der gegenwärtige Kapitalismus ist richtiger Weise ein „monetarischer“ oder „mammonistischer“ Kapitalismus, ein Kapitalismus der Geldvermehrungskunst, des „Chrematismus“. In ihm überwiegen Fehlfunktionen, die die Wirtschaft von innen her zersetzen. Dem Monetarismus wohnt nämlich ein durch die Instrumente der Geldpolitik künstlich erzeugter, innerer Wachstumszwang inne. Der Vortrag bricht mit der alten Anschauung von der liberalen Verfasstheit des Geldes und erklärt, was Geld ist und was nicht, was die Steuer ist und was nicht, was das BIP ist und wie es im Monetarismus zur Täuschung des Publikums mißbraucht wird. Preisstabilität darf kein Ziel der Wirtschaft sein. Stattdessen ist Preis- und Kostenwahrheit eine zweckmäßige Orientierungsgröße. Im Zentrum des Vortrags steht die Analyse der Entstehung der ungeheuren Verschuldung der Wirtschaft, verursacht durch ein wucherisches Bank- und Geldsystem. Vier Faktoren bewirken die Selbstzersetzung des Kapitalismus: a) das finanztechnisch deregulierte Geldwesen; b) das monetarische Geldsparkreditsystem; c) die monetarische Institution von willkürlichen Staatsschulden; d) das monetarische, ineffiziente und ungerechte Steuersystem. Die ergokratische Lehre zeigt, wie man, anknüpfend an die bestehende Wirtschaftsordnung, „durch eine richtige Behandlung des Geldes und der Einführung einer Geldsteuer bei Abschaffung aller anderen Steuerarten zu einer idealen Wirtschaft gelangen kann, so wie, daß jeder Staat unabhängig von anderen Staaten diese Reformen durchführen kann“ (H. Färber, 1922). Seit der Mitte 1922 einsetzenden Hyperinflation haben die Regierungen an der Inflationspolitik nichts mehr geändert! Infolgedessen befinden wir uns heute weltweit in einer Situation, in welcher ein Umstieg vom Monetarismus in eine Leistungswirtschaft nicht ohne Zwischenstufen möglich ist. Die Strategie zum Ausstieg aus dem Monetarismus folgt einem Algorithmus. Dieser setzt die Kenntnis der Entstehungsweise der monetarischen Verschuldung voraus. Der Abbau der riesenhaften, auf Geld lautenden Spargeldansprüche, steht im Vordergrund! Der Vortrag zeigt, daß Geld und Spargeld, Spargeld und Zinsgeld, Spargeldforderungen und Zinsgeldforderungen, Zinsen und kapitalisierte Zinsen völlig verschiedene Kategorien des Geldes darstellen. Eingangs wird erklärt, daß es im Monetarismus berechtigte und unberechtigte Geldformen knapp beieinander gibt, die durch die neuerdings elektronische Gebarung kaum voneinander zu unterscheiden zu sein scheinen, woraus unüberblickbare Täuschungen und Mißbräuche resultieren. 7 Geld und Geldreform Die Ursachen des Wachstumszwangs der Wirtschaft im monetarischen Kapitalismus sind: a) Allg. Intransparenz der Geldströme und fehlende Steuerbarkeit, b) Dichotomie der Parameter für strukturelle und konjunkturelle Arbeits- und Einkommenslosigkeit aufgrund von unklaren Vorstellungen und Prämissen vom Ursprung der Wertschöpfung. Warum Geldreform, Finanzreform, Steuerreform? Unabhängig voneinander vertraten H. Färber, A. Lansburgh, Chemie-Nobelpreisträger F. Soddy1 und S. Gesell einhellig die Meinung, eine Geldreform sei Voraussetzung jeder anderen Reform. Färber schrieb 1927 in der Broschüre „Das Geldmonopol“: Die Funktion des Geldes. Ihr Schaffenden müßt arbeiten, um Geld zu haben. Ihr gebt Arbeitsleistungen und Waren für Geld; für Geld, welches der Geldmonopolist druckt. Bedenkt! Ihr arbeitet, schuftet, rackert und sorgt und alles, was Ihr so mühselig geschaffen, gebt Ihr für Geld, welches der Geldmonopolist druckt. Ihm gebt Ihr’s zuerst, wem denn sonst? Er verschenkt ja sein selbst gedrucktes Geld nicht, er gibt es nur für etwas, das er bekommt; und von wem kann er es bekommen, wenn nicht von Euch, die Ihr es geschaffen? Wie furchtbar ist diese Erkenntnis!…Sämtliche Reformen sind nichtig! Gibt es da ein entrinnen? Gibt es auch nur einen, der sich retten kann? Sieht man nun nicht die allumfassende und vernichtende Gewalt des Geldmonopols? Wie töricht ist es nun, wenn man die Sachmonopole, den Wucher und die Ausbeutung zu bekämpfen vorgibt, während man Geldmonopole ins Leben ruft! Wie töricht, an soziale Errungenschaften zu glauben, während der Geldmonopolist imstande ist, jede Errungenschaft, die in Geld besteht, zu eskamotieren!… Wer zuckt bei dieser Offenbarung nicht zusammen? Die alte Lehre begründete weltweit das Geldmonopol. Die Ursache der Wirtschaftskrisen wurde selbst vom Sozialismus nicht erkannt. Die monetarische Verfasstheit des Geldes in jeglichem Wirtschaftssystem bildet die Ursache von Wirtschaftskrisen. Was ist das Geld? Das Geld ist ein Recht!2 Als ein solches ist es Verteilungsmittel und, weil es zum Ausgeben da ist, genuin bipolar: Einerseits ist es Bestätigung für geleistete Arbeit; andererseits ist es Berechtigungszertifikat, welches einen Anspruch verbrieft zum Bezug eines Leistungsäquivalents aus der Wirtschaft3. Als Anteilschein bildet Geld schließlich und endlich das Leistungsverhältnis der Wertschöpfenden zueinander ab. Geld ist kein Tauschobjekt! Man tauscht im Inland nicht Ware gegen Geld, weil Geld kein Tauschgegenstand ist. Geld ist auch kein Mittel zur Erleichterung des Tauschs. Im Inland kreditiert bzw. stundet man mittels des Geldes zunächst die Gegenleistung. Endgültig bezahlt ist der Verkäufer, wenn er mittels des erhaltenen Geldes seinerseits Artikel seiner Wahl erwirbt. Deshalb ist es irrig, das Geld ein „Tauschmittel“ zu nennen. Die vorläufige Kreditierung der Gegenleistung mittels des Geldes heißt „bezahlen“, der des Erwerbs eines Gutes „Kauf“. Jede andere Funktion des Geldes ist für die Wirtschaft schädlich. Nur im Außenhandel ist Geld ein Tauschmittel, vorausgesetzt, daß Staaten ergokratisch wirtschafteten. Im monetarischen Kapitalismus treten kaum Staaten zueinander in Handelsbeziehungen, sondern primär private Firmen. Damit wird dem künstlich erzeugten Thema des Wechselkurses Raum gegeben und mit ihm einer Konfusion über dessen Schwankungen. Verantwortlich für Wirtschaftskrisen sind 1. falsche Definitionen, 2. falsche Funktionen des Geldes und 3. falsche Theorien, die auf 1. und 2. fußen. Geld darf nur zu einer 1 Professor Frederick Soddy (F.R.S.): „Money Reform as a Preliminary to All Reform“, London 1950. 2 Auf diese kurzen Formeln gebracht wurde das Geld zeitgleich von zwei Ökonomen, Heinrich Färber in „Das Geldproblem…“, Wien 1922 und Alfred Lansburgh (Argentarius) „Das Wesen des Geldes“ 1923 in Berlin. 3 Diese Erkenntnis geht auf Heinrich Färber in seiner Schaffensperiode zwischen 1917-1941 in Wien zurück. 8 geringen Quote des Geldvolumens der Volkswirtschaft gespart und kreditiert werden. Wird Geld zeitlich mehrere Male hintereinander gespart und für andere Zwecke, als die der Räumung des Marktes, kreditiert und jedes Mal ein Zins beansprucht und gezahlt, dann verwandelt es sich nach Ablauf mehrerer Sparkreditzyklen in „eingefrorene Forderungen“, die autonom grenzenlos wachsen und grundsät z l i ch unt i lgbar sind. Die Folgen sind Wirtschaftskrise und ein krisenbedingtes Wirtschaftswachstum! Geld ist keine Ware, sondern ein Mittel zum Erwerb einer Ware. Gewöhnlich wird im Gelde, wie Silvio Gesell es tat, die reinste Form der Ware erblickt4,5,6. Die in der Literatur ausnahmslos verbreitete Standardbehauptung, Geld sei dreierlei: A) Recheneinheit und Wertmesser, B) Tauschmittel und C) Wertspeicherungsmittel, ist fal s ch. Diese von zahllosen Lehrbüchern verbreitete Behauptung hat ferner auch das rechtzeitige Erkennen des Wesens des Geldes verhindert, vereitelt und verzögert.7 Alle auf dieser veral teten Ans i cht beruhenden wirtschaftstheoretischen Analysen und Folgerungen sind irreführend. Da, wo sie zu richtigen Schlüssen führen, tun sie es zufällig, trotzdem sie falsch sind. Die monetarische Ansicht, bestehend aus A), B), C), ist ein Provisorium, keine wissenschaftliche Wahrheit, nicht einmal eine Hypothese! Sie steht dem vorwissenschaftlichen Denken der Cossisten nahe. Die Coss war Synonym für eine magische Rechenkunst. Johannes Kepler (1571-1629) amüsierte sich über sie. Seit der Entwicklung des logischen Denkens (Descartes, Leibniz, Schelling, Kant, Feuerbach, Schopenhauer) sollte sie abgelöst sein. Nicht so in den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften! Geld kann nicht geschaffen oder vernichtet werden, ohne die Wirtschaft zu schädigen. Geldschöpfung oder -vernichtung aliquot für alle ist eine sinnlose Handlung ohne Effekt, welche den Teilnehmern die Kaufkraft beläßt. Es drucke zB die Notenbank zusätzliches Geld, so daß jeder Geldbesitzer zu jedem Geldstück (GS), das er hat ein weiteres hinzu bekommt. Wer 1000 GS hat, bekomme 1000 hinzu, wer 100 GS hat, bekomme 100 dazu, wer 1 Mio hat, bekomme 1 Mio hinzu, dann haben alle doppelt soviel Geld, als sie vorher hatten. Dann kosten die Waren und Leistungen das Doppelte und es werden doppelt so viele GS bezahlt und eingenommen. Die Kaufkraft ist unverändert. Schöpft die Notenbank aber Geld für einzelne, so vernichtet sie Kaufkraft aller anderen. Nimmt man jedem von dem Gelde, das er hat, die Hälfte weg und vernichtet es, so hat man an der Kaufkraft aller wieder nichts verändert. Es werden dann für dieselben Waren und Dienstleistungen halb so viele GS ausgegeben und eingenommen, als zuvor. Nur dann, wenn man der Mehrheit und nicht allen, die Hälfte des Geldes, das sie hat, wegnimmt und vernichtet, hat man die Kaufkraft der restlichen Einzelnen gesteigert. – Daraus folgt, daß jeder Manipulation am existierenden Gelde der Boden zu entziehen ist. Dies anzubahnen obliegt der behördlichen Hoheit des Staates.8 Geld ist Verteilungsmittel, kein Tauschmittel. Wertschöpfende tragen bei zur Entstehung des Produkts in der arbeitsteiligen Wirtschaft und werden nach deren Beiträgen dafür entgolten. Wer mehr und besser leistet, bekommt mehr Anteilscheine; wer weniger bzw. schlechter leistet, erhält weniger Anteilscheine. Daraus entspringt für jeden einzelnen das Recht zum Bezug eines Teils des Produkts im Verhältnis seines Arbeitsbeitrags 4 Heinrich Färber: „Die Irrlehre Silvio Gesells“, Wien, 1934; Graz, 2001. 5 Im Buch „Geld u Kredit“ definiert W. Fuhrmann das Geld als Gut, das, wie andere Güter auf dem Gütermarkte auch, auf dem Geldmarkte gehandelt werde und seinen Wert (Kaufwert) je nach Angebot und Nachfrage ändere. Diese Sicht ist im Monetarismus charakteristisch, in welchem den fiktiven Geldleistungen die Hauptrolle (Plutokratie, Mammonismus) und den realen Produktionsleistungen eine Nebenrolle zugewiesen ist. 6 Siehe auch O. Issing „Einführung i d Geldtheorie“, 1998 und HJ Jarchow: „Theorie u Politik d Geldes“, 2003. 7 Heinrich Färber: „Wiedererrichtung der Geldmonopole nach dem Ersten Weltkriege Zweck des Völkerbundes“, Wien 1927, Graz 1997. 8 Sinngemäß nach Heinrich Färber: „Das ergokratische Manifest“, Wien 1930, Graz 1997. 9 zu jenem der anderen. Die Volkswirtschaft ist bezüglich der geschaffenen Leistungen eine Aktiengesellschaft. Das Aktienkapital ist die Arbeitskraft. Das Geld, der Anteilschein, ist die Aktie der Volkswirtschaft. Da es an Arbeitskräften nicht mangelt, ist es irreführend, von einem Kapitalmangel der Wirtschaft zu sprechen.9 Eine geradezu penetrant inflationär betriebene Propagierung des Tauschmittelcharakters durch Gesells Lehre vereitelt noch heute die Erkenntnis der Natur des Geldes als die eines Verteilungsmittels! Die täuschenden Begriffe „Bankguthaben“ und „Bruttonationalprodukt BNP“ Die österreichischen Bankguthaben (Ersparnisse, Wertpapieranlagen, Aktien, Lebensversicherungen, festverzinsliche Wertpapiere, Auslandsguthaben, etc.) betrugen 2004 4,07 Billionen ÖS = 4.070 Mrd. ÖS = 4,070.000 Mill. ÖS = 4,070.000,000.000 ÖS = 300 Mrd. Euro. Sie sind zugleich die Schulden der österreichischen Wirtschaft! Zum Begriff „Bankguthaben“ folgendes: Das Jahresbruttonationalprodukt BNP Österreichs erreichte 2004, in Geldwert gerechnet, ziemlich genau 3 Bill. ÖS = 220 Mrd. Euro oder 3.000 Mrd. ÖS. 1994 betrug es vergleichsweise 2.200 Mrd. ÖS (160 Mrd. Euro). Das durchschnittliche Monats-BNP 2004 ist daher 1/12 von 3 Bill. ÖS oder 250 Mrd. ÖS. Das ist identisch mit der real zirkulierenden Geldmenge, die man M1 nennt. Es ist gleichgültig, ob dieser Betrag in Papiergeld und Münzen existiert oder als aufgeschriebene Girokontobeträge kursiert oder aus einer Mischung aus beidem, sowohl aus Papier+Münzgeld, als auch aus Girokonto- bzw. „Buchgeldbeträgen“. In jedem Falle existiert nur dieses Geld und es hat die Größe von 250 Mrd. ÖS. = 18 Mrd. Euro. Mehr Geld gibt es nicht. Die Bankguthaben über 4,07 Bill. ÖS = 300 Mrd. Euro sind kein Geld, sondern Ansprüche auf die Ausfolgung von Geld in dieser Höhe! Die Bankguthaben sind zugleich die Schulden der Wirtschaft an die Geldsparer, Wertpapiersparer, Lebensversicherer, Aktienbesitzer, etc! Diese unangenehme Wahrheit enthüllt sich einem erst, wenn man bedenkt, daß auch das jährliche BIP in Geld nicht existiert, sondern bloß eine kumulative Rechengröße ist. Das jährliche BIP ist sinngemäß dasselbe, wie die in einer Heizperiode in einem Zentralheizungssystem umgewälzte Wassermenge. Ist zB zum Befüllen von Zentralheizungskörpern 100 Liter Wasser erforderlich und wird diese Wassermenge in einer Heizperiode 100 Male umgewälzt, dann hat die Umwälzpumpe insgesamt 10.000 Liter Wasser bewegt. Niemand wird behaupten, daß das Zentralheizungssystem mit 10.000 Liter Wasser befüllt worden sei. Desgleichen darf man nicht glauben, daß in der Volkswirtschaft Spargeld im Ausmaß von 4 Bill. ÖS vorhanden wären. Die wirklich vorhandene Geldmenge M1 beträgt ¼ Bill. ÖS = 250 Mrd. ÖS = 18 Mrd. € und ist identisch mit dem monatlichen BNP! Da das ganze Geld (250 Mrd. ÖS) monatlich einmal und jährlich zwölf Male zirkuliert, indem es monatlich zyklisch von den Lohn- und Gehaltszahlern zu den Lohn- und Gehaltsempfängern geht und von letzteren wieder auf dem Markt als Kaufgeld an die Lohn- und Gehaltszahler zurückströmt, glaubt man, jährlich 3 Bill. ÖS = 3.000 Mrd. ÖS zu sehen, während es sich bei diesem Jahreswert der Wirtschaftsleistung lediglich um eine Zählersumme handelt: es wurde im Jahr zwölf Mal so viel an Gütern und Leistungen erzeugt und verkauft, als in einem Monat. Zu diesem Umsetzen oder Umwälzen braucht man monatlich lediglich die Geldmenge M1, nämlich 250 Mrd. ÖS = 18 Mrd. € und nicht 3 Bill. ÖS. Wie jedoch die exorbitant hohe Sparguthabensumme der Sparer bzw. Schuldensumme der Wirtschaft von 4,07 Bill. ÖS = 300 Mrd. € entstanden sein konnte, ist eine der delikatesten Fragen überhaupt. Sie wird im Kapitel „Die Kinematik der Entstehung der Spargeldansprüche (Kapitalvermögen)“ ausführlich behandelt. 9 Sinngemäß nach Heinrich Färber: „Das ergokratische Evangelium“, Wien 1940, Graz 2003, S. 24. 10 Arten der In-Umlaufsetzung des Geldes und Geldknappheit Eine Wirtschaft braucht das Geld als Verteilungsmittel. Geld sollte einmalig in der staatlichen Notenbank NB emittiert werden. Heute aber sind Notenbanken AGs. Es gibt zumindest drei Arten der In-Umlaufsetzung des Geldes und zwar als: a) zinspflichtiger Kredit, durch die Nationalbank und die Kommerzbank; b) zinsloser Kredit (mit 1:1 Rückzahlungspflicht); c) Förderungszuwendung an Projektantragsteller (ohne Rückzahlungspflicht)10. Im monetarischen Kapitalismus gelangt das Zentralbankgeld wahlweise gemäß den aufgezählten Punkten in den Umlauf. Die häufigste Gestion (Handhabungsart) ist die der Vergabe als zinspflichtiger Kredit aus der privaten Nationalbank-AG über private Geschäftsbanken GB (Kommerzbankkredit) an die Unternehmerschaft U. Die U verschuldet sich, noch bevor überhaupt eine reale Leistung entstanden ist! Sie verwendet das Geld monatlich für Lohn- und Gehaltzahlungen und für Investitionen, somit wieder für Löhne und Gehälter. Das ganze Geld kehrt monatlich als Kaufgeld von den Haushalten (Konsumenten K) zur Unternehmerschaft U zurück, es kreist periodisch, zyklisch. Ohne künstliche Störungen zirkuliert das Geld ewig unverändert. Es gibt keine Krise. Da aber im monetarischen Kapitalismus Wirtschafts- und Finanzkrisen unleugbar vorhanden sind, ist es sicher, daß der Geldkreislauf hier durch irgendetwas gestört wird. Um zu verstehen, wodurch Störungen und die permanente Geldknappheit bewirkt sind, braucht man ein paar weitere Grundlagen. Der monetarische Geldarten-Dschungel „Die kompliziertesten Maschinen sind aus Wörtern gemacht“ (Katya Sander, MuMoK Wien, 2005) Wir fügen die daraus folgende Konsequenz hinzu: Worte fordern Verbindlichkeit! Geld is t , wie gesagt, ein Bezugs recht . Es gibt zweierlei Geldrechtarten: 1. Berechtigtes Geld 2. Unberechtigtes Geld Berechtigtes Geld ist das von der Notenbank am Anfang einer Währungsreform über Kommerzbanken zinspflichtig in die Zirkulation gebrachte Geldvolumen M1. Unberechtigtes Geld ist jedes Falschgeld, auch das staatlich legalisierte. Das ist Geld, welches zum bereits zirkulierenden Wirtschaftsgeld (Geldumlauf M1), zu einem späteren Zeitpunkt hinzukommt, indem durch eine zusätzliche Gelderzeugung (Geldschöpfung) weiteres Geld über Kommerzbanken an Kredit nehmende Subjekte und durch sie in den Umlauf eingeschleust wird und dort parasitär und unberechtigt teilnimmt an der schon mittels des berechtigten Geldes (M1) erfolgenden Verteilung der Güter und Leistungen. Zwei Erscheinungsformen des berechtigten Geldes a) Bargeld; b) Elektronisches E-Geldsubstitut, elektronisches Buchgeld, Giralgeld und Wertpapiere. Berechtigtes Geld ist Geld, welches eine konstante Größe besitzt, dh sich auch nach vielen Zirkulationsperioden – ein Monat ist eine Zirkulationsperiode – nicht ändert. Zwei Erscheinungsform des unberechtigten Geldes a) Parasitäres Inflationsbargeld (staatl. legalisiertes Falschgeld und „Blüten“); b) Parasitäres Inflationsbuchgeld, geschöpftes, elektronisches Giralgeld. 10 Geförderte Institutionen dürfen Fördergelder der OeNB nur ausgeben, aber nicht Gewinne erwirtschaften, zB Forschungsstätten oder Firmenabteilungen, die Jugendliche ausbilden. Finanztechnisch gesehen haben solche Einrichtungen während der Laufzeit der Fördergelder staatlichen Charakter, dh sie sind Steuergeldverwender. Dem Staat ist die schuldfreie Geldemission per OeNB-Statut untersagt [§ 41 „Verbot von Kreditfazilitäten für öffentliche Einrichtungen (Bund, Länder, Gemeinden)“]. Er darf Steuergeld, das er von den Steuerzahlern erhielt, ausgeben, nicht aber Notenbankgeld für Steuern beschaffen! 11 Unberechtigtes Geld wird in regelmäßigen oder auch unregelmäßigen Zeitabständen vermehrt (fast nie vermindert), so daß in jeder Zirkulationsperiode weiteres Geld hinzukommt. In Österreich lief 1950 eine Geldmenge von ca. 10 Mrd. ÖS monatlich um; in der BRD liefen 1948 (Währungsreform) 6,3 Mrd. DM um. Bis 2004 war der Geldumlauf in Österreich auf ca. ÖS 250 Mrd., in Deutschland auf ca. 300 Mrd. DM angewachsen. Die Wachstumsrate des zirkulierenden Banknotengeldes während der fünf Jahrzehnte zwischen 1948 und 2000 betrug in beiden Staaten ca. 6,5% – 7%11. Zusammensetzung der nicht baren Geldformen: a) berechtigtes, elektronisches Geld (Buchgeld oder Bargeldsubstitut); b) unberechtigtes, elektronisches Geld (geschöpftes Buchgeld); c) unberechtigte Ansprüche auf berechtigtes und auf unberechtigtes, elektronisches Geld. Diese Unterscheidung zwischen den Geldformen wurde nie getroffen. Ihr Fehlen ist die Ursache, weshalb das Finanzwesen ein Turm zu Babel geworden ist. Eine andere Ursache der Verwirrung ist die obsolete Gegensatzbildung „Kapitalismus – Sozialismus“ in totaler Unkenntnis der wichtigsten zwei Wirtschaftsformen: Zwei Wirtschaftsformen: a) monetarischer Kapitalismus (privater Kapitalismus und staatsmonopolistischer Kapitalismus, auch „Kommunismus“ oder „Sozialismus“ genannt); b) ergokratischer Edelkapitalismus (systematisch vereitelt durch Bürokratie und Monetarismus). Drei Inflationsarten a) Notenbankinflation und Kommerzbankinflation (Gelddrucken und Giralgeldschöpfung), b) Spargeldinflation (bankmäßige Geldschöpfung zur Befriedigung von Spargeldabhebungen), c) Steuerinflation (Zentralbankmäßige Geldschöpfung für Steuerzwecke; ungesetzlich). Fünf Steuersysteme 1. Naturalsteuer (veraltet) 2. Monetarisches Steuersystem (derzeit üblich, ultrabürokratisch: achtzig Steuerarten); 3. Inflationssteuersystem (1918-1921), (Staatliche Inflation); nur eine einzige Steuerart; 4. Automatisches Steuersystem (reine Geldsteuer), nur eine einzige Steuerart; 5. Lineare Steuer („Flat Tax“). Der gegenwärtige Kapitalismus ist ein „monetarischer Kapitalismus“, gekennzeichnet durch die Herrschaft der unberechtigten Geldformen über die berechtigten und in dieser Herrschaft getarnt durch identische, ununterscheidbare, elektronische Erscheinungsweisen aufgrund der bequemeren Zahlungsgewohnheiten. Die Alternative dazu ist der „ergokratische Kapitalismus“, gekennzeichnet durch die alleinige Herrschaft der produktiven Leistung und des verfassungsgesetzlichen Verbots aller nicht berechtigten Geldformen (Inflationsverbot, Zinsverbot, Verbot des monetarischen Steuersystems). Wodurch ist das Geld gedeckt? Geld ist gedeckt durch Leistungen und Güter der Volkswirtschaft, auf welche es sich bezieht. Geld bezieht sich nicht auf Gold oder Edelsteine. Gold oder Devisen sind keine Deckung des Geldes12. Sich Münzen, die als Zahlungsmittel verwendet werden sollen, für Gold ausprägen zu lassen, ist eine Brechung des Geldwertes, ein Mißbrauch, ein Vertragsbruch, weil Gold keine erbrachte Leistung bescheinigt, sondern in der Natur gefunden wird. Ein auf Hergabe eines Goldstücks geprägtes Geldstück verbrieft keinerlei Anspruch auf Leistungen der Volkswirtschaft. Frederick Soddy: „Gold-Standard Drags all Nations down to Level of Lowest.“ (“The Role of Money”, London, 11 Bei Gleichverteilung, beschäftigte man alle Arbeitslosen, wäre das Prokopfeinkommen in Österreich [in Deutschland] bei 3,5 Mio [40 Mio] Unselbständigen 250 Mrd./3,5 Mio = ÖS 71 400.- [330Mrd./40 Mio = DM 8 250.-]. 12 Die Wiedererrichtung der Geldmonopole nach dem I.WK Zweck des Völkerbundes, Wien 1927, Graz 1997. 12 1934). Sich mit dem Argument der Stabilisierung der Währung inländisches Geld zu drucken auf der Basis aufgekaufter Devisen, ist ein Raub durch Inflation13. Deckungsschwindel: die Deckung büßt Wert ein, das Gedeckte nimmt an Wert zu! Das, was die Seipel-Regierung und die sozialistische Opposition bereits 1926 verharmloste, scheint man auch im Europa von 2004, nach achtzig Jahren, erneut zu verharmlosen, obwohl sich dasselbe Drama zu wiederholen scheint. Heinrich Färbers im prosaischen Ton vorgetragene Analyse ist wegen ihrer brennenden Aktualität geradezu eine alle Umbruchszeiten überdauernde Muß-Lektüre geblieben14: „Was jeden Österreicher ohne Unterschied des Berufes interessieren sollte, ist erstens die Frage: wi e k ommt e s , daß der Dollar, der durch Gold voll gedeckte, der Dollar, der dazu ausersehen wurde, die europäischen Währungen zu decken, ihnen einen Wert und eine Kaufkraft zu verleihen – wie kommt es, daß dieser Dollar sowohl die Kaufkraft als auch den Wert einbüßt, daß die Warenpreise in Amerika steigen und der ausländische Wert, der Kurs, des Dollars sinkt? Wi e k ommt e s , daß der an sich Wert und Kaufkraft habende Dollar, an Wert und Kaufkraft verliert, während der an sich keinen Wert und keine Kaufkraft habende Schilling, der deckungsbedürftige, an Wert zunimmt, im Kurse steigt?15 Wi e k ommt e s , daß eine Währung, die deckungsbedürftig ist, wie zum Beispiel der Schilling, – wi e k ommt e s , daß eine solche Währung, nachdem sie einen Teil der Deckung verloren hatte, nachdem der Wert und die Kaufkraft des deckenden Dollars zurückgegangen war – w i e k ommt e s , daß diese Währung, dieser Schilling, von seinem Werte nicht nur nichts eingebüßt, sondern sogar an Wert zugenommen hat? Wi e k ommt e s , daß jemand, der Krücken haben muß, um aufrecht stehen zu können, nachdem die Krücken zerbrochen worden sind, nicht nur weiterhin aufrecht steht, sondern sogar zu laufen beginnt? Un d wi e k ommt e s , daß der Schilling nun, da er an äußerem Wert (Kurs) zunimmt, an innerem Wert (Kaufkraft) abnimmt, das heißt, daß die Warenpreise steigen, und man für dasselbe Geld weniger Ware bekommt? Wi e k ommt e s , daß ein Krüppel, dem beide Beine fehlen, welcher sich mit Prothesen bewegt, nun, da die Prothesen unbrauchbar geworden sind, sich mit einem Stumpf vorwärts und mit dem anderen rückwärts bewegt? Sieht man nun nicht ganz klar, daß Wert und Kaufkraft einer Währung nicht von einer so genannten Deckung abhängt, daß die Währung trotz Deckung sowohl Wert als auch Kaufkraft verlieren kann? Wovon also hängt Wert und Kaufkraft einer Währung denn ab?“ Heinrich Färber widmete diesem Fragenbündel einen ganzen Antwortkomplex, welcher weit über das hinausgeht, was moderne Lehrbücher auf diese „alten“ und bisher nie klar beantworteten Fragen zu sagen wissen. Die wahre Deckung: a) Die Kaufkraft. „Die Kaufkraft einer Währung überhaupt hängt von dem Vorhandensein von Waren ab. Kann man in einer Wirtschaft, wie sie jetzt ist, mit ihren tausenderlei Artikeln und bei der tausendfältigen Arbeitsteilung die Waren ohne Geld absetzen? Wenn man aber Geld haben muß, um die Waren abzusetzen, wenn man Ware für Geld verkaufen muß, so muß man für Geld Ware kaufen können, muß man für Geld Ware bekommen; das heißt, das Geld hat Kaufkraft. Es hat Kaufkraft, weil Ware vorhanden ist; nur wenn keine Ware vorhanden ist, ist es möglich, daß das Geld keine Kaufkraft hätte; es ist aber nicht möglich, daß es, trotzdem Ware vor- 13 Heinrich Färber: „Monetaros I-IV“, Wien 1926. 14 „Ungeheure Inflation in Amerika! E+ geht Österreic an“ H. Färber, in „Der Scaffende“, Nr. 9; Wien, 1. Jän. 1927. 15 Der Eurokurs 2004 steigt, doch das Publikum klagt über den „Teuro“, über den Kaufkraftschwund! 13 handen ist, keine Kaufkraft hätte aus dem Grunde, weil keine Deckung in einer Notenbank begraben ist. Die Ware einer Volkswirtschaft ist die Deckung ihres Geldes; eine in einer Notenbank begrabene Deckung braucht man dazu nicht: diese Deckung hat auch keinen Zweck; denn ist keine Ware da, so hat das Geld trotz des begrabenen Schatzes keine Kaufkraft; es hat keine Kaufkraft, es kann keine Ware kaufen, weil keine da ist; es [das Geld] ist dann also trotz des begrabenen Schatzes nicht gedeckt. Wenn aber die Kaufkraft des Geldes überhaupt nur vom Vorhandensein von Ware abhängt, so ist es klar, daß die Größe der Kaufkraft des Geldes nur von der Größe der vorhandenen Warenmenge abhängt. Man kauft fürs gesamte Geld einer Volkswirtschaft mehr Ware, wenn mehr Ware da ist, und weniger, wenn weniger Ware vorhanden ist. Die Kaufkraft des gesamten Geldes einer Volkswirtschaft steigt und sinkt mit der Zunahme und der Abnahme der Warenmenge. Für einen Bruchteil des gesamten Geldes kauft man selbstverständlich bloß denselben Bruchteil der Warenmenge, die man fürs gesamte Geld kauft: für die Hälfte des gesamten Geldes die Hälfte der Warenmenge, für ein Viertel des gesamten Geldes bloß ein Viertel der Warenmenge usw. Die Kaufkraft der Geldeinheit, zum Beispiel eines Schillings, hängt also davon ab, welchen Bruchteil des gesamten Geldes die Einheit dars t e l l t . Wenn die Einheit zum Beispiel die Hälfte des gesamten Geldes bildet, ist ihre Kaufkraft zweimal so groß, wie wenn sie bloß ein Viertel des gesamten Geldes wäre usw. Wenn man den Geldumlauf vermehrt, wird der Bruchteil der Geldeinheit verkleinert. Wenn das gesamte Geld zum Beispiel aus zwei Schillingen besteht, so ist ein Schilling die Hälfte des gesamten Geldes; wenn das gesamte Geld aber aus vier Schillingen besteht, so ist ein Schilling bloß ein Viertel des gesamten Geldes. Im ersten Falle kauft man für einen Schilling die Hälfte, im zweiten Falle bloß ein Viertel der Warenmenge. Vermehrt man den Geldumlauf auf das Zweifache, so sinkt die Kaufkraft des Schillings um die Hälfte. Es ist nun klar, daß dies der Fall ist, einerlei, ob in der Notenbank ein Schatz, eine Deckung, begraben ist oder nicht. Die Größe der Kaufkraft einer Geldeinheit hängt also erstens von der Größe der Warenmenge und zweitens von der Geldmenge, dem Geldumlauf, ab. Eine begrabene Deckung hat darauf keinen Einfluß.“ „Die wahre Deckung: b) Der Kurs“ Wie die innere Kauf k raf t einer Währung von der Warenmenge, das ist die Menge der Sache, die fürs Geld zu verkaufen ist, abhängt, hängt auch die äußere Kauf k raf t , der Kurs, einer Währung von der Sache, die auf dem internationalen Markte für diese Währung zu verkaufen ist, ab, das ist von dem ausländischen Gelde, das für diese Währung angeboten wird. Der Kurs des Dollars, für die man Schillinge kaufen möchte, hängt von der Menge der Schillinge, für die man Dollars zu kaufen sucht, ab. Was diese beiderseitigen Mengen bestimmt, ist in diesem Absatze nicht zu erklären, es ist ein Kapitel für sich; aber das eine ist klar, daß durch eine Vermehrung des Dollarumlaufs, durch eine amerikanische Inflation, nicht nur die Dollars, für welche Mark zu kaufen gesucht wird, sondern auch die, für welche man Schillinge kaufen möchte, vermehrt werden. Oben haben wir denn auch gelesen, daß sowohl in Wien als auch in Berlin Dollars in großer Menge angeboten wurden; nun wissen wir, warum dies geschah, nämlich, weil Amerika Inflation gemacht, den Dollarumlauf vermehrt hat. Aus diesem Grunde ist der Dollarkurs, wie oben zu lesen ist, auch gefallen.“ Amerika und England überschwemmen Deutschland und Österreich mit inflationierten entwerteten Dollars und Pfunden! Ein anderes Zeichen für diese Inflation ist folgende Erscheinung: Am 20. 12. 1926 haben wir gelesen, daß sowohl in Wien als auch in Berlin Golddevisen i n g r oßer 14 Menge abgestoßen werden, und daß die Devisenlieferungen bei der OeNB z i emlich bedeutend sind. Der Dollarkurs sank in Wien auf 708,50. Am 21. 12. 1926 haben wir gelesen: „Neue Tiefkurse für den Dollar in Wi e n . Infolge des großen Devisenangebotes, insbesondere in Pfunden und Dollars, ging der Dollarkurs in Wien gestern wieder auf einen Ti e f s t an d von 707,80 zurück. Die Devisenkäufe an die Notenbank nehmen in stärkerem Maße zu. Keine Zeitung bespricht die tief erschütternde Bedeutung dieser Erscheinungen! Diese Erscheinungen sind, wie gesagt, durch die Dollarinflation zu erklären. Amerika hat zu viele Dollars und bietet sie dem Auslande zum Kaufe an, deshalb sinkt der Dollarkurs. Das, meint man, sei eine Sache, die nur die Valutenhändler interessiert; leider ist es nicht wahr. Das Naturwidrige einer Stabilisierung Was geht uns diese Sache an, wird man fragen, warum sollten wir uns dafür interessieren, da wir keine Valutenhändler sind. Gewiß, antworten wir; wenn nichts weiter daran wäre, als daß Amerika eine Inflation gemacht hat, ferner, daß die Warenpreise in Amerika gestiegen sind, und schließlich, daß die Amerikaner uns ihre so entwerteten Dollars maturgemäß billiger verkaufen, würden auch wir, die wir keine Valutenhändler sind, uns dafür nicht interessieren. Wir würden dann auch nichts daran auszusetzen haben, da dies ja die naturgemäße Folge der amerikanischen Inflation ist. Die Sache steht aber ganz anders. Es ist ja gar nicht wahr, daß Ihr (die Allgemeinheit) dafür kein Interesse hättet. Ihr alle, einerlei, welcher Partei Ihr angehört, wolltet eine stabilisierte Währung haben. Einerlei, ob schwarz oder rot, der ganze Nationalrat hatte nichts Wichtigeres zu tun, als die Währung zu stabilisieren. Der Vertreter der Proletarier Dr. Bauer gratulierte dem Dr. Seipel im Parlament zur gelungenen Stabilisierung. In einer seiner Broschüren rühmte sich Dr. Bauer dessen, daß die Stabilisierungspolitik der österreichischen Nationalbank seine Politik sei. Und, seien wir ehrlich, wer außerhalb der ergokratischen Partei ist denn nicht überzeugt, daß die Stabilisierung der Währung eine hervorragende und glückbringende Leistung sei? Wie eine Währung stabilisiert wird, dürften allerdings nur Ergokraten wissen. Nun denn, die Stabilisierung der Währung hängt mit der Geschichte, die wir hier behandeln, zusammen; und wenn Ihr Euch für die Stabilisierung so warm interessiert, müßt Ihr auch für diese Abhandlung Interesse haben; denn nun könnt Ihr sehen, wie man eine Währung stabilisiert. Man stabilisiert eine Währung, indem man Maßnahmen trifft, um zu verhindern, daß nicht das geschehe, was naturgemäß geschehen sollte. Naturgemäß müßte Amerika uns die Dollars, die es durch Inflation entwertet hat, billiger verkaufen, und Amerika würde es auch bestimmt einsehen, einsehen müssen und billiger verkaufen müssen, wie durch die Tatsache beweisen ist, daß es uns die Dollars billiger verkauft hat; aber unsere Währung wäre dann nicht stabilisiert; wir bekämen für dieselbe Anzahl von Schillingen mehr Dollars oder wir zahlten für einen Dollar weniger Schillinge, das heißt, unser Schilling würde steigen und der Dollar würde sinken. Daß dieses Unglück nicht geschehe, dafür sorgte der österreichische Nationalrat16, indem er eine Ak t iengesel l schaf t zum Gelddruc ken ins Leben rief, die in Befolgung der Politik des Dr. Bauer einem solchen Geschehen halt gebietet. Wie macht sie es? Wie wird stabilisiert? Oben haben wir gelesen, wie eine Notenbank imstande ist zu stabilisieren. Am 20. lasen wir: „Bei der österreichischen Nationalbank sind die Dollareinlieferungen zieml ich bedeutend.“ Am 21. lasen wir: „Die Devisenverkäufe an die Nationalbank nehmen in s tärkeren Maße zu.“ 16 Siehe das Kapitel „Monetarismus und Zinsendienste“ und „Genfer Sanierung“ ff. 15 Bei der ökonomischen Orientierung unseres Volkes ist es nicht zu verwundern, daß die meisten solche Berichte gar nicht lesen, andere sie nicht beachten, und wieder andere, die sie lesen und beachten, sich nur darüber freuen, daß unsere Nationalbank (unsere?) mehr Devisen haben wird. Wer weiß und bedenkt es aber, daß die Notenbank zu diesem Zwecke neue Schillinge druckt, Inflation macht? Das Drucken neuer Schillinge, das Entwerten des Schillings an sich ist nur eine Dummheit, aber noch nicht das Böse. (Von den Nebenwirkungen einer Inflation wollen wir hier absehen). Die Amerikaner möchten uns übers Ohr hauen und uns entwertete Dollars, die sie im Überfluß haben, anhängen; nun druckt die österreichische Notenbank neue Schillinge und entwertet den Schilling ebenfalls, um den Amerikanern für entwertete Dollars ebenso entwertete Schillinge zu geben. So gesehen wäre es eine harmlose Dummhei t ; denn entwertet man den Schilling nicht, so zahlt man für den entwerteten Dollar weniger Schillinge, wie die früher gelesenen Tatsachen bewiesen haben; wenn man den Schilling aber entwertet, muß man für den Dollar mehr Schillinge zahlen. Es käme also auf eins heraus, und die Entwertung, die Stabilisierung, des Schillings wäre eine harmlose Dummheit. Zweck der Stabilisierung Das wäre der Fall, wenn die Notenbank die neuen Schillinge unter die Schillingbesitzer verteilte; sie würden dann zwar mehr Schillinge für den Dollar zahlen, dagegen hätten sie aber neue Schillinge umsonst erhalten; sie würden daher keinen Schaden haben. So dumm ist doch aber eine Notenbank nicht, daß sie Banknoten zum Verteilen druckte. Sie druckt die neuen Schillinge für sich und kauft dafür Dol lars . Die Schillinge kosten sie nichts, wie in diesen Blättern bereits erklärt wurde; sie bekommt die Dollars also umsonst . Nicht recht gescheit sind nur die Österreicher, denen eine solche Stabilisierung Vergnügen macht; denn davon kommt folgendes heraus: Die neuen Schillinge kosten die Nationalbank, wie gesagt, nichts.17 Sind aber die Amerikaner so dumm, um für ihre Dollars etwas zu nehmen, was nichts kostet? Was nichts kostet, kann etwas Geschenktes, etwas Gestohlenes, aber auch etwas, was wertlos ist, sein. Da die Notenbank die neuen Schillinge nicht geschenkt erhielt, und wir vorderhand nicht sagen möchten, daß sie sie gestohlen habe, so müßten wir annehmen, daß die neuen Schillinge etwas Wertloses sind; sind die Amerikaner so dumm, um für ihre Dollars etwas Wertloses zu nehmen? Welches Geheimnis steckt da dahinter? Folgendes: Stabilisieren ist Stehlen. Es ist richtig, daß die neuen Schillinge die Notenbank nichts kosteten; aber die Amerikaner kaufen für diese Schillinge, die sie von der Nationalbank erhielten, in der österreichischen Volkswirtschaft ein. Sie kaufen die Waren weg, die sonst die Österreicher für ihre alten Schillinge bekommen hätten. Die Besitzer der alten Schillinge haben also den Schaden; sie tragen die Kosten der neuen Schillinge, ihnen wurde die Ware ges tohlen. Nun sehen wir, daß die neuen Schillinge, die die neue Notenbank druckte, nicht etwas Wertloses, auch nicht etwas Geschenktes, sondern etwas Ges tohlenes sind; gestohlen den Besitzern der alten Schillinge; denn es ist alleseins, ob man den Besitzern des alten Geldes Schillinge stiehlt oder das, was sie für ihre Schillinge bekommen sollten. Für gestohlene Schillinge also kauft die österreichische Notenbank Dollardevisen, und das heißt Stabilisierung der Währung! 17 Siehe H. Färber: MENETEKEL I., Wien 1935, Graz 1998, S. 23: „Der Papierfabrikant liefert der Notenbank einen Waggon Papier und bekommt dafür ein Stückchen seines Papiers, allerdings bedruckt, und damit ist er bezahlt! Bedruckt wird dieses Stückchen Papier von einem Arbeiter der Notenbank, und der Arbeitslohn wird mit einem Stückchen Papier des Papierfabrikanten bezahlt! Welche Gestehungskosten hat die Notenbank? Was ist ihre Leistung? Und wer ist ihr einen „bürgerlichen Nutzen“ schuldig?…“ 16 Stabilisieren ist betrügen und rauben. Aber nicht nur die Schillingbesitzer, das sind die Konsumenten, haben den Schaden, auch die Warenverkäufer, die Produzenten, werden dadurch geschädigt. Sie wissen ja nicht, daß die Notenbank durch Vermehrung des Geldumlaufs den Schilling entwertet hat; sie geben dem Amerikaner daher für den neuen Schilling ebensoviel Ware wie vorher; sie werden also betrogen und beraubt. Was ist nun das Ergebnis? Die Konsumenten werden bestohlen, die Produzenten und die Kaufleute werden beraubt, den Gewinn, die Beute haben die Notenbanken, die Inflation gemacht haben, die amerikanische sowohl als auch die österreichische. Das ist Stabilisierung der Währung, mit der der österreichische Fi – nanzminister Dr . Kienböck so „glücklich“ ist. Das ist die „überragende Bedeutung“ der Nationalbank, ihr „legitimer Wirkungskreis“, wovon Dr . Ot to Bauer sprach, weshalb sie sein Vertrauen erworben hat. Das ist das „ethi s che Interes – se“ der Notenbank, „Noten zu drucken“, wovon Dr . Reisch sprach (Bericht des Finanzministers und Bundesausschusses vom 22. Dez. 1926). – Oh, zwanzigstes Jahrhundert! Begrabe dein Haupt, verhülle deine Augen, verbirg´ dein Angesicht vor Schande! Nichts ist schändlicher, als deine dumme Währungspolitik!“ Der Intellekt Ursprung der wirtschaftlichen Werte Der erste Satz in Marxens Lehre, die Arbeit sei das Fundament der Rente, des Kapitals, der Arbeitswerttheorie, ist kritikwürdig! Nicht die Arbeit ist das Fundament der Wirtschaft, sie ist lediglich Handlanger im Dienste des menschlichen Intellekts. Aus der Summe tausendjähriger Erfahrungen und immer neuen geistigen Errungenschaften zieht der Intellekt aus dem kleinsten Aufwand an Zeit und Mühe den größten Effekt, schrieb der Berliner Bankdirektor Lansburgh (1872-1937)18. Daraus folgt, daß das bürokratische Prinzip „Vollbeschäftigung“ einer Modifikation bedarf. Lehrsatz: Die Wirtschaft produziert weniger mit der Arbeit als mit dem Verstand. Der Marktpreis aller Güter berechnet sich nicht nach Arbeitsstunden. Die Arbeit muß den Intellekt unterbieten, anders kann sie sich nicht bewähren. Dann fällt der Arbeitslohn oft unter das Existenzminimum. Daher sollte sich der Lohn nach dem Ideenreichtum (Lansburgh) richten. Stichhältig ist Färbers Lohndefinition. Aus der Ar – b e i t s t e i l i g k e i t der Wirtschaft folgt mit zwingender Notwendigkeit: Der Lohn entspricht dem individuellen Beitrag zum gesamten Produkt. Die Ergokratie und die Verteilungsfrage. Die ergokratische Wirtschaftslehre von Heinrich Färber beruht auf dem Grundsatz – welcher von den herkömmlichen Wirtschaftslehren nicht erkannt worden ist – daß aus der Arbeitsteiligkeit der Produktion aller materiellen und ideellen Lebensgüter unbedingt ein berechtigter Anspruch erwächst für jeden an der Wertschöpfung Beteiligten, auf die Ausfolgung eines Teils des Produkts und zwar in einem Umfang, welcher dessen Arbeitsleistung entspricht. Unbestreitbar ist, daß eine Gesellschaft von Teilhabern, das ist eine Arbeitsgemeinschaft (Staat, Wirtschaft), ohne eine Regel der Verteilung unvorstellbar ist. Bedenkt man ferner die Tatsache, daß ausreichend Lebensgüter da sind und außerdem ungenützte Arbeitskräfte, welche noch mehr von allen guten Dingen herstellen könnten, und daß dennoch viele Familien der aktiv Tätigen Mangel leiden, so ist es gewiß, daß nur eine ungerechte Verteilung dafür verantwortlich ist. So lange kein gerechter Verteilungsmodus gefunden wird, ist an eine Besserung der Wirtschaft nicht zu denken. 18 Alfred Lansburgh („Argentarius“): „Das Kapital“, Berlin 1930; „Die Arbeit“, Berlin, 1931. 17 Die Plünderung der Wirtschaft durch Geldmonopol und Finanz Die ergokratische Lehre hat den Verursacher der ungerechten Verteilung identifiziert: das Geldmonopol. Dieses Geldmonopol agiert in vielen Formen auf der politischen Bühne: Inflation, Geldentwertung, Kaufkraftschwund, Geldknappheit, Geldsparen, Wertpapieranlegen, Aktienhandel, Börsenspekulation, Investmentfondsparen, Steuervergünstigungen, Steuerflucht in Steueroasen, etc. Allen Formen des Geldmonopols ist eines gemeinsam: Die Erlangung von Zugriffsrechten auf große Teile des aktuell zirkulierenden Geldvolumens M1 = 250 Mrd ÖS = 18 Mrd. Euro. Eine der entsetzlichsten Tatsachen ist es, daß die Wertschöpfenden die Entstehung eines Finanzsektors (Banken, Versicherungen) geradezu erzwungen haben, welcher aus einer weltweit äußerst kleinen Zahl von Menschen besteht. Das Weltvolk schenkt diesem Sektor größte Teile seiner Erzeugnisse. Mehr noch: In jedem Lande der Welt wuchs dem Finanzsektor die Macht zu, ein V iel faches des z i r kul ierenden Geldes zu fordern! In Österreich fordert er das ca. 23-fache des Geldumlaufs, in Deutschland das ca. 30-fache des dortigen Geldumlaufs, in der EU fordert er das ca. 20-fache des europäischen Geldumlaufs usw. Nicht Mutwille dieser kleinen Zahl von Menschen oder deren Gier ist es, sondern ein unerkannter Umstand, welchen man größtenteils den Abermillionen gedankenlosen, kleinen Sparern ankreiden muß! „Die Produzenten“, schrieb Heinrich Färber19, „sollten sich daher nicht einbilden, daß alles, was sie erzeugten, ihnen gehöre. Würde man nämlich alles, was sie haben, versteigern, könnten sie nicht mehr als den Geldumlauf [M1, d. Verf.] einnehmen, während das Geldmonopol ein Vielfaches dessen, was die Produzenten haben, von ihnen fordert. Die Finanz würde alles, was die Produzenten haben, mit einem geringen Teil der Forderungen erwerben. Den Produzenten bliebe nichts außer der Rest der Schulden. Kurz, es steht fest, daß die jetzige Wirtschaft so geartet ist, daß es der Finanz möglich ist, die Produzenten bis aufs Hemd zu plündern.” Die derzeitige allgemeine Auffassung von Ordnung (monetarischer Kapitalismus und monetarischer Sozialismus) garantiert dem Geldmonopol, dem Finanzsektor, schrankenlose Freiheiten zur Ausplünderung der Wirtschaft. Bei einer Verteilung gemäß der Leistung (E r g o k r a t i e ) wäre eine Ausplünderung der Wertschöpfenden durch jene, welche sich an der Wertschöpfung nicht zu beteiligen brauchen, ausgeschlossen. Sollte daher kein gerechter Verteilungsmodus gefunden werden, ist eine Gesundung der Wirtschaft unmöglich. Die monetarisch verfasste Wirtschaft beruht auf Zinsen Geldmonopol und Finanzsektor sind eins. Sie sind Nutznießer des Zinswesens. Der Zins ist das Werkzeug zur sich monatlich wiederholenden Erzwingung von Zugriffsrechten auf einen erheblichen Teil des monatlich zirkulierenden Wirtschaftsgeldes M1. Mit diesem Geldanteil wird der Wirtschaft ein großer Teil der Güter und Leistungen geraubt. Folglich ist der Zins der Hebel zur Beraubung der Wirtschaft. Die ergokratische Wirtschaft kommt ohne das Zinswesen aus In einer durch Ordnungspolitik vor Beraubungen geschützten Wirtschaft gibt es keine Inflation und keine Zinsen. Sie sind sachlich nicht gerechtfertigt. Das ergokratische Inflationsverbot bewirkt zweierlei: 1. es verbietet die Geldmengensteuerungspolitik der Zentralbanken und 2. es macht Börsen und Börsengeschäfte überflüssig. Die Sorge um das richtige „Geldmengenziel“ entfällt. Nach Färber ist das einmal gedruckte Geld niemals zu wenig. Es ist lediglich ungerecht verteilt. Für eine geregelte Verteilung ist die monopolistische Manipulation der Geldmenge ein unpassender Ansatz! 19 Der Ergokrat, Nr. 11, „Denkschrift: Färber an den Präsidenten Roosevelt“, Wien, Juni 1934. 18 Geldmenge: E n twe d e r Bargeld o d e r Buchgeld oder b e i d e s ? Das zirkulierende Geld kann entweder aus Bargeld oder aus Buchgeld oder aber aus beiden Geldarten bestehen. Das Bargeld wird in einem „Geldwettlauf“ immer mehr vom elektronischen Buchgeld verdrängt. Dabei sollte die Geldmenge M1 unverändert bleiben. Das aus dem Markt verdrängte Bargeld sollte als Reserve zur jederzeitigen Verfügung in der Zentralbank stillgelegt sein. Das in den Markt hineindrängende Buchgeld kann das Bargeld daher höchstens ersetzen. In der ergokratisch geordneten Wirtschaft gibt es kein Steuerproblem Inflationsverbot und Zinsverbot könnten viele Zentralbankfunktionen entbehrlich machen. Es entfielen: 1. die Steuerung der Geldmenge; 2. die Leitzinspolitik, 3. Anleihepolitik und Zinsendienste; 3. die Kürzung des Budgets; 4. die Defizite. Vor allem entfielen Finanzämter, weil die Steuer durch einen neuen Algorithmus eingezogen wird und nicht, wie jetzt, indem der Zwangsstaat der Steuer erfolglos hinterher hetzt. Geldgewinne kein Wirtschaftszweck! Es gibt keine Geldgewinne ohne Geldverluste. Da Geldverluste unerwünscht sind, ist der Wirtschaftszweck 1. die Sicherung der Existenz der Bevölkerung, 2. die Schaffung von Wohlbefinden für alle und 3. Maximierung der Freiheit und Entfaltung jedes Menschen. Mehr Geld zu bekommen für mehr und bessere Leistungen ist möglich in einem geordneten Staatswesen, wo dem Gelde keine Potentiale zum Mißbrauch innewohnen. Im derzeitigen Monetarismus ist das Geld so verfaßt, daß es dreierlei zeitigt: 1. eine Beraubung der Wirtschaft, 2. den Ausschluß eines Teils der Leistungswilligen aus der Wertschöpfung und 3. steigende Vorenthaltung der Disponibilität / Freiheit! Da es keine Geldgewinne ohne -verluste gi
  7. Attila said

    Vermag die Ergokratie den Wirtschaftswachstumszwang zu bezwingen? Vortrag im Rahmen des CLUB of VIENNA 07. Jänner 2004 von Karl Mocnik 2 Can Ergocracy Overcome Economic Growth? Karl Mocnik, Austrian Academy of Sciences, A-8042 Graz, Austria Talk held in Vienna January 7th, 2004. Abstract. The forced growth of the economy is an unnaturally accelerated excrescence. It is triggered by an unjust distribution of the means of distribution: the money, which erroneously is conceived of being a means of barter. Its unjust distribution isn’t a consequence of individual greed and stinginess but is caused by the actors of economy (entrepreneurs and depending employees) who want to make “profits” and “net-yields”. They save money. The 5 million savers of small amounts of money loose it to the few 0,06 million big savers. The small companies suffer crises of debt and they depend on foreign capital to an extent of 80% and lack proper capital. The State lacks tax money; the capitalists lend tax money to the State for money interest; politics is seduced to contract unnecessary debts of the State, and prolonged working time is being imposed on the public. Finally, the economy resembles a combat troupe under the command of hostile sergeants. Restoring the States’ power again the acquired Laissez-faire principle has to be dismissed and replaced by a moral principle. Heinr i ch Färber ’ s (1864-1941) Ergocratic doctrine provides the culmination point among the classical doctrines of economy and is the pivot of law and order of the State of the future. E rgoc rac y means governance of power. Not money should govern (P lutoc rac y ) but instead the power governs democratically (E rgoc rac y ). The lecture outlines mechanisms that regularly push a potentially rich economy (the monetariancapitalistic- socialistic one) through the governance of money (Plutocracy) to the brink. Vermag die Ergokratie den Wirtschaftswachstumszwang zu bezwingen? Kurzfassung. Der beschleunigte Wachstumszwang der Wirtschaft ist eine unnatürliche Wucherung. Ausgelöst und zementiert wird er durch eine Ungleichverteilung des – fälschlich „Tauschmittel“ genannten – Verteilungsmittels „Geld“. Dessen ungerechte Verteilung ist nicht Folge individueller Gier oder von Geiz, sondern sie entsteht, weil alle Akteure (Unternehmer und unselbständig Beschäftigte) „Profite“, „Gewinne“ und „Renditen“ „erwirtschaften“ wollen. Sie sparen Geld. Dabei verlieren die 5 Mio kleinen Sparer Nettozinsgeld an die 0,06 Mio großen Sparer. Klein- und Mittelbetriebe geraten in Schuldenkrisen, sind bis zu 80% fremd finanziert und haben kaum Eigenmittel. Dann erhält der Staat weniger Steuergeld; die Kapitalisten und Banken borgen es ihm auf Zinsen. So wird die Politik zu unnötiger Staatsverschuldung verleitet, die Menschen werden zu längerer Arbeit gezwungen und es wachsen die Staatsdefizite. Am Ende macht die gesamte Wirtschaft den Eindruck einer von einer feindlichen Offiziersstandarte kommandierten Kampftruppe. Um Herr im eigenen Haus zu werden, muß das anerzogene laissez-faire Prinzip verworfen und durch eine moralisch starke Vision ersetzt werden! Die ergokratische Wirtschaftslehre des österreichischen Volkswirts Heinr i c h Färber (1864-1941) bildet den Höhepunkt und vorläufigen Abschluß der klassischen Wirtschaftstheorien. Sie ist das Zentrum der Reformideen für eine Neuordnung des Staates: Ergok rat ie bedeutet Leistungsherrschaft. (Ergon – das Werk, die Leistung; kratein – das Herrschen). Nicht das Geld soll autokratisch herrschen (P lutok rat ie), sondern die Leistung soll demokratisch regieren (Ergok rat ie)! Der Vortrag analysiert einige Mechanismen, die eine leistungsfähige Wirtschaft – die monetarisch- kapitalistisch-sozialistische – durch die Herrschaft des Geldes (Plutokratie) regelmäßig an den Rand des Abgrundes drängen und er stellt zugleich den ergokratischen Ausweg vor. Stichworte: Zwangsgeld, Zwangsstaat, Monetarismus, Geldmonopol, Wirtschaftswachstum, Inflation, Chrematistik, Währungs- und Preisstabilitätspolitik, Haushaltswirtschaft, Preis- und Kostenwahrheit, Inflationsverbot, Leistungsgeld, Geldsteuer, Ergokratie. 3 Philosophische Vorbemerkung Das Ziel dieses Vortrags war es weder, zu zeigen, wie die Wirtschaft wirklich funktioniert, noch, wie sie funktionieren sollte. Ein solches Vorhaben wäre unbillig und könnte kaum geleistet werden. Es wurde vielmehr gezeigt, wie Wirtschaft und Staat zu funktionieren scheinen bzw. wie sie funktionieren könnten, um Verteilungsgerechtigkeit zu verwirklichen. Einmal mehr ist an Mor i t z von Sc hl i c k s Verdikt (Wiener Kreis) zu erinnern, wonach man zu unterscheiden habe zwischen der Beobachtung und dem Erkennen. Das Beobachten sei demnach ein zweiteiliger Vorgang: Es gibt den Beobachter einerseits und das beobachtete Objek t andererseits. Das Erkennen hingegen sei ein dreiteiliger Vorgang: Es gibt den Beobachter einerseits, das Objekt andererseits; aber es gibt noch etwas Drittes: dasjenige, als was das Beobachtete erkannt, interpret ier t , wi rd. Wie in der Quantenmechanik, so spielt diese Unterscheidung zwischen dem Beobachten und dem Erkennen auch bei der Beurteilung von Wirtscha f t s f o r – men eine zentrale Rolle bei der Erkenntnisgewinnung! Der Mensch macht sich von jeder Wirklichkeit, auch von einer gedachten oder ersehnten, eine plausible Fiktion, weil er alle Aspekte derselben nicht zu antizipieren vermag. Die so erzeugte Abbildung eines ausgewählten Exzerpts von Strukturen und Prozessen in der Wirklichkeit ist eine Abstraktion und kann sie unmöglich in ihrer Totalität wiedergeben. Man sollte daher nicht diese oder jene Wirtschaftsform als eine einzig selig machende verabsolutieren. Man kann aber Tangenten zu skizzieren versuchen, welche als Leitlinien dienen können zur Orientierung, um das menschliche Leben auf diesem Planeten gemütlicher und nicht unerträglicher zu gestalten. Wie das Ptolemäische, geozentrische Weltbild für fast zwei Jahrtausende eine sehr getreue Deutung der beobachteten Planetenbewegungen zu liefern schien, bedeutete die k o – pernikanische Wende und die durch J ohannes Ke p l e r präzisierte Deutung der Planetenbahnen als Ellipsen, die um die Sonne führen, einen großen qualitativen Sprung. Desgleichen erinnert unser derzeitiges, unzureichend mit „Kapi tal i smus “ bezeichnetes Wirtschaftssystem, an ein mit zahlreichen Fehlfunktionen behaftetes Geschehen. Kotauczek bezeichnet den „Kapi tal i smus “ als eine theoretische Denkfigur. Es hat vieler Erfahrungen mit dem Kapitalismus oder dem, was man darunter verstand, bedurft, um diese plausible Schlußfolgerung ziehen zu können. Da Wesensmerkmale des „Kapitalismus“ auch in den sozialistischen Wirtschaftssystemen zu beobachten waren und sind, scheinen sich die Bezeichnungen „Monetarismus“ bzw. „Mammonismus“ noch besser zu eignen. Monetarismus ist ein sich um das Geld und nur das Geld drehendes Wirtschaftssystem. Noch treffender aber ist der Begriff „Chrematismus“ (private Geldvermehrungskunst). Es kann nicht bezweifelt werden, daß die gegenwärtige Wirtschaft geldzent r ier t ist, früh dargelegt bereits in J. W. v. Goethes „Faust“ (H.-Ch. Binswanger). Eine andere Form von „Kapitalismus“ ist denkbar, ein „gez ähmter Kapi tal i smus “ (Knoflacher, Woltron). Ein solcher „Edelkapitalismus“ wäre das Gegenstück zum Chrematismus. Das ist die Wohlstandsvermehrungskunst für alle oder Lei s tungsher r s c h a f t , auch Ergok rat ie genannt, „Ergon“ (gr.) das Werk, die Leistung; kratein (gr.) – das Herrschen. Das Geld wird entthront zugunsten der produktiven, schöpferischen Leistung. Das Geld hat lediglich Verteilungsfunktion. Ihrem Autor, Hei nr i c h Färber (1864-1941) in Wien, fällt das Verdienst zu, mit der E rgok rat ie ein sorgfältig durchdachtes Modell einer ordnungspolitisch konsistenten Wirtschaftsform formuliert zu haben. Anhand dieses Denkmodells wird der gegenwärtige monetarische Raubtierkapitalismus analysiert. Der Vortrag stellt zuerst eine Reihe von Grundelementen vor, zum Verständnis der Triade „Produktion, Distribution und Konsumption“, der Fehlallokation, staatliche Währungs- und Steuerhoheit, einer Finanzreform und dem Automatismus des erzwungenen Wachstums. Die Analyse der Staatsverschuldung und insbesondere des monetarischen Geldsparkreditsystems anhand eines „Viertakt-Kreisprozesses“ der Entstehung eingefrorener, untilgbarer Schulden nimmt die zentrale Rolle ein. Abschließend werden die Barrieren für den Ausstieg aus dem monetarischen Kapitalismus aufgezählt. Den Schluß bildet eine Adresse an die Republik Österreich für den Austritt aus dem Währungsverbund, nicht aber aus der Politischen Union. 4 Inhaltsverzeichnis Philosophische Vorbemerkung ……………………………………………………………………. 3 Einleitung …………………………………………………………………………………………………… 6 Geld und Geldreform…………………………………………………………………………………… 7 Warum Geldreform, Finanzreform, Steuerreform?………………………………………….. 7 Was ist das Geld?……………………………………………………………………………………… 7 Arten der In-Umlaufsetzung des Geldes und Geldknappheit ………………………….. 10 Der monetarische Geldarten-Dschungel……………………………………………………… 10 Wodurch ist das Geld gedeckt? …………………………………………………………………. 11 Der Intellekt Ursprung der wirtschaftlichen Werte …………………………………………. 16 Die Ergokratie und die Verteilungsfrage………………………………………………………. 16 Die Plünderung der Wirtschaft durch Geldmonopol und Finanz ……………………… 17 Die monetarisch verfasste Wirtschaft beruht auf Zinsen ………………………………… 17 Die ergokratische Wirtschaft kommt ohne das Zinswesen aus……………………….. 17 Geldgewinne kein Wirtschaftszweck!………………………………………………………….. 18 Monetarisches Geldmonopol gegen Leistungswirtschaft ……………………………….. 18 Das innerste Wesen des privaten Geldmonopols …………………………………………. 18 Die trügerischen Begriffe „Konjunktur“ und „Rentabilität“……………………………….. 19 Die Wirtschaft und deren Subkreisläufe……………………………………………………… 20 Das wirtschaftliche Naturgesetz ………………………………………………………………… 21 Die ergokratische Preislehre……………………………………………………………………… 21 Der ungehinderte Geldkreislauf …………………………………………………………………. 22 Ersparnisbildung, Geldkredit und Investitionstheorie …………………………………….. 23 Das unbedingte Recht der Unternehmerschaft, die Gestehungskosten hereinzubringen rechtlich nicht verankert!……………………………………………………. 28 Der Hauptkreislauf der Wirtschaft und das BIP…………………………………………….. 30 Die Dichotomie der Geldmenge in der monetarischen Statistik ………………………. 31 Preisstabilitätspolitik contra Preis- und Kostenwahrheit…………………………………. 33 Inflation und Chrematistik im monetarischen Kapitalismus …………………………….. 33 Währungspolitik ist Konjunkturdämpfung durch Preisstabilisierung …………………. 34 Das wahre Wesen der notenbanktechnischen „Preisstabilisierung“ ………………… 34 Das bürokratische Antlitz des privaten Geldmonopols…………………………………… 36 Zur Computer-Animation der Inflation …………………………………………………………. 36 A. Verteilung ohne Inflation ……………………………………………………………………….. 37 B. Verteilung bei Inflation ………………………………………………………………………….. 38 Bürokratische „Wertschöpfungsabgabe“ kein Heilmittel…………………………………. 40 Der Raub an der Wirtschaft mittels des Giralgeldes ……………………………………… 41 Maßnahme gegen die destruktive Giralgeldschöpfung ………………………………….. 42 Das Wachstum des Geldumlaufs im monetarischen Kapitalismus ………………….. 44 Das monetarische Geldmengenziel (Offenmarktgeschäfte)……………………………. 45 Aktionäre der Nationalbank, jetzt Österreichische Filiale der EZB …………………… 46 Die ergokratische Steuerlehre……………………………………………………………………. 47 Das jetzige, ungerechte und stupide Steuersystem ………………………………………. 47 Was ist die Steuer?………………………………………………………………………………….. 47 Die Automatische Steuer (Ergokratie)…………………………………………………………. 49 Zwei Techniken der indirekten Geldsteuer…………………………………………………… 50 Das ergokratische Geldsparkreditsystem…………………………………………………….. 52 „Steueroasen“ können dem Ordnungsstaat nichts anhaben! ………………………….. 55 Vollkommen entbehrliche Staatsanleihen!………………………………………………….. 55 Knechtschaft der Wirtschaft Zweck der forcierten Exportpolitik ………………………. 56 Bundesschuld und deren Verwaltung eine Impertinenz! ………………………………… 56 5 Konvergenzkriterien: Statt Defizitpolitik wird das Volk bestraft………………………… 57 Die Absurdität von Staatsschulden – Absurdität der Währungsunion ………………. 57 Monetarismus und Zinsendienste ………………………………………………………………. 59 Erfolgreicher Staatsverschuldungstest in der Ersten Republik………………………… 59 Die Geburtsstunde der Ergokratie………………………………………………………………. 60 Die Kinematik der Entstehung der Spargeldansprüche (Kapitalvermögen) ….. 61 Schätzung der „Spareinlagen“ in Österreich ………………………………………………… 61 Was sind „Spargeldansprüche“?………………………………………………………………… 62 Wie könnten Spargeldansprüche von 4 Billionen ÖS entstanden sein? ………………. 62 Der V i e r t a k t p r o z e ß des Wachstums der Spargeldansprüche……………….. 66 Steigflug der Spargeldansprüche: steigende Wirtschaftsschulden ………………….. 67 Ergokratie ist Arbeitsdemokratie ………………………………………………………………… 68 Was bewirken die Spargeldvermögen in der Wirtschaft?……………………………….. 68 Lamentieren und Demonstrieren absolut zwecklos!………………………………………. 71 Riesengeldgeschenke vieler kleiner Sparer an wenige große Sparer………………. 73 Ungefähre Bezifferung des Gesamtverlusts der Wertschöpfenden ……………… 73 Investitionswege der kapitalisierten Zinsgelder…………………………………………….. 76 Das monetarische Duo Arbeitslosigkeit und Exportquote ………………………………. 79 Gibt es einen Wachstumszwang der Wirtschaft?………………………………………….. 80 Der Ausweg aus der Wachstumsfalle…………………………………………………………. 81 Vermag die Ergokratie den Wachstumszwang zu bezwingen?……………………….. 82 Exodus aus der Festung des „monetarischen Kapitalismus“………………………. 83 Die zu überwindenden Barrieren………………………………………………………………… 83 Reformstrategie ………………………………………………………………………………………… 91 Wirkungen der Sofortmaßnahmen ……………………………………………………………… 92 Die antimonetarische Botschaft von Heinrich Färber …………………………………….. 93 Adresse an die Österreichische Republik …………………………………………………… 95 Literatur ……………………………………………………………………………………………………102 6 Einleitung In der Zeit zwischen 1917 und 1941 entstand in Wien die Ergokratische Wirtschaftslehre von Heinrich Färber (1864-1941). Er gok r at i e heißt Leistungswirtschaft. Ergon (gr.) – das Werk, die Leistung, kratein (gr.) – das Herrschen. Diese Lehre bejaht das Recht der produktiven Leistung und verneint das Vorrecht des Geldes. Sie zeigt, wie Gerechtigkeit erzwungen und Unrecht ausgeschlossen werden kann. Verwirklicht wird die gerechte Verteilung der in redlicher Arbeitsteilung entstandenen Beiträge zum materiellen Gesamtwohl durch einfache Reformen des Geldes und des Steuersystems. Ergokratie könnte eine Alternative zum gegenwärtigen Kapitalismus sein. Der gegenwärtige Kapitalismus ist richtiger Weise ein „monetarischer“ oder „mammonistischer“ Kapitalismus, ein Kapitalismus der Geldvermehrungskunst, des „Chrematismus“. In ihm überwiegen Fehlfunktionen, die die Wirtschaft von innen her zersetzen. Dem Monetarismus wohnt nämlich ein durch die Instrumente der Geldpolitik künstlich erzeugter, innerer Wachstumszwang inne. Der Vortrag bricht mit der alten Anschauung von der liberalen Verfasstheit des Geldes und erklärt, was Geld ist und was nicht, was die Steuer ist und was nicht, was das BIP ist und wie es im Monetarismus zur Täuschung des Publikums mißbraucht wird. Preisstabilität darf kein Ziel der Wirtschaft sein. Stattdessen ist Preis- und Kostenwahrheit eine zweckmäßige Orientierungsgröße. Im Zentrum des Vortrags steht die Analyse der Entstehung der ungeheuren Verschuldung der Wirtschaft, verursacht durch ein wucherisches Bank- und Geldsystem. Vier Faktoren bewirken die Selbstzersetzung des Kapitalismus: a) das finanztechnisch deregulierte Geldwesen; b) das monetarische Geldsparkreditsystem; c) die monetarische Institution von willkürlichen Staatsschulden; d) das monetarische, ineffiziente und ungerechte Steuersystem. Die ergokratische Lehre zeigt, wie man, anknüpfend an die bestehende Wirtschaftsordnung, „durch eine richtige Behandlung des Geldes und der Einführung einer Geldsteuer bei Abschaffung aller anderen Steuerarten zu einer idealen Wirtschaft gelangen kann, so wie, daß jeder Staat unabhängig von anderen Staaten diese Reformen durchführen kann“ (H. Färber, 1922). Seit der Mitte 1922 einsetzenden Hyperinflation haben die Regierungen an der Inflationspolitik nichts mehr geändert! Infolgedessen befinden wir uns heute weltweit in einer Situation, in welcher ein Umstieg vom Monetarismus in eine Leistungswirtschaft nicht ohne Zwischenstufen möglich ist. Die Strategie zum Ausstieg aus dem Monetarismus folgt einem Algorithmus. Dieser setzt die Kenntnis der Entstehungsweise der monetarischen Verschuldung voraus. Der Abbau der riesenhaften, auf Geld lautenden Spargeldansprüche, steht im Vordergrund! Der Vortrag zeigt, daß Geld und Spargeld, Spargeld und Zinsgeld, Spargeldforderungen und Zinsgeldforderungen, Zinsen und kapitalisierte Zinsen völlig verschiedene Kategorien des Geldes darstellen. Eingangs wird erklärt, daß es im Monetarismus berechtigte und unberechtigte Geldformen knapp beieinander gibt, die durch die neuerdings elektronische Gebarung kaum voneinander zu unterscheiden zu sein scheinen, woraus unüberblickbare Täuschungen und Mißbräuche resultieren. 7 Geld und Geldreform Die Ursachen des Wachstumszwangs der Wirtschaft im monetarischen Kapitalismus sind: a) Allg. Intransparenz der Geldströme und fehlende Steuerbarkeit, b) Dichotomie der Parameter für strukturelle und konjunkturelle Arbeits- und Einkommenslosigkeit aufgrund von unklaren Vorstellungen und Prämissen vom Ursprung der Wertschöpfung. Warum Geldreform, Finanzreform, Steuerreform? Unabhängig voneinander vertraten H. Färber, A. Lansburgh, Chemie-Nobelpreisträger F. Soddy1 und S. Gesell einhellig die Meinung, eine Geldreform sei Voraussetzung jeder anderen Reform. Färber schrieb 1927 in der Broschüre „Das Geldmonopol“: Die Funktion des Geldes. Ihr Schaffenden müßt arbeiten, um Geld zu haben. Ihr gebt Arbeitsleistungen und Waren für Geld; für Geld, welches der Geldmonopolist druckt. Bedenkt! Ihr arbeitet, schuftet, rackert und sorgt und alles, was Ihr so mühselig geschaffen, gebt Ihr für Geld, welches der Geldmonopolist druckt. Ihm gebt Ihr’s zuerst, wem denn sonst? Er verschenkt ja sein selbst gedrucktes Geld nicht, er gibt es nur für etwas, das er bekommt; und von wem kann er es bekommen, wenn nicht von Euch, die Ihr es geschaffen? Wie furchtbar ist diese Erkenntnis!…Sämtliche Reformen sind nichtig! Gibt es da ein entrinnen? Gibt es auch nur einen, der sich retten kann? Sieht man nun nicht die allumfassende und vernichtende Gewalt des Geldmonopols? Wie töricht ist es nun, wenn man die Sachmonopole, den Wucher und die Ausbeutung zu bekämpfen vorgibt, während man Geldmonopole ins Leben ruft! Wie töricht, an soziale Errungenschaften zu glauben, während der Geldmonopolist imstande ist, jede Errungenschaft, die in Geld besteht, zu eskamotieren!… Wer zuckt bei dieser Offenbarung nicht zusammen? Die alte Lehre begründete weltweit das Geldmonopol. Die Ursache der Wirtschaftskrisen wurde selbst vom Sozialismus nicht erkannt. Die monetarische Verfasstheit des Geldes in jeglichem Wirtschaftssystem bildet die Ursache von Wirtschaftskrisen. Was ist das Geld? Das Geld ist ein Recht!2 Als ein solches ist es Verteilungsmittel und, weil es zum Ausgeben da ist, genuin bipolar: Einerseits ist es Bestätigung für geleistete Arbeit; andererseits ist es Berechtigungszertifikat, welches einen Anspruch verbrieft zum Bezug eines Leistungsäquivalents aus der Wirtschaft3. Als Anteilschein bildet Geld schließlich und endlich das Leistungsverhältnis der Wertschöpfenden zueinander ab. Geld ist kein Tauschobjekt! Man tauscht im Inland nicht Ware gegen Geld, weil Geld kein Tauschgegenstand ist. Geld ist auch kein Mittel zur Erleichterung des Tauschs. Im Inland kreditiert bzw. stundet man mittels des Geldes zunächst die Gegenleistung. Endgültig bezahlt ist der Verkäufer, wenn er mittels des erhaltenen Geldes seinerseits Artikel seiner Wahl erwirbt. Deshalb ist es irrig, das Geld ein „Tauschmittel“ zu nennen. Die vorläufige Kreditierung der Gegenleistung mittels des Geldes heißt „bezahlen“, der des Erwerbs eines Gutes „Kauf“. Jede andere Funktion des Geldes ist für die Wirtschaft schädlich. Nur im Außenhandel ist Geld ein Tauschmittel, vorausgesetzt, daß Staaten ergokratisch wirtschafteten. Im monetarischen Kapitalismus treten kaum Staaten zueinander in Handelsbeziehungen, sondern primär private Firmen. Damit wird dem künstlich erzeugten Thema des Wechselkurses Raum gegeben und mit ihm einer Konfusion über dessen Schwankungen. Verantwortlich für Wirtschaftskrisen sind 1. falsche Definitionen, 2. falsche Funktionen des Geldes und 3. falsche Theorien, die auf 1. und 2. fußen. Geld darf nur zu einer 1 Professor Frederick Soddy (F.R.S.): „Money Reform as a Preliminary to All Reform“, London 1950. 2 Auf diese kurzen Formeln gebracht wurde das Geld zeitgleich von zwei Ökonomen, Heinrich Färber in „Das Geldproblem…“, Wien 1922 und Alfred Lansburgh (Argentarius) „Das Wesen des Geldes“ 1923 in Berlin. 3 Diese Erkenntnis geht auf Heinrich Färber in seiner Schaffensperiode zwischen 1917-1941 in Wien zurück. 8 geringen Quote des Geldvolumens der Volkswirtschaft gespart und kreditiert werden. Wird Geld zeitlich mehrere Male hintereinander gespart und für andere Zwecke, als die der Räumung des Marktes, kreditiert und jedes Mal ein Zins beansprucht und gezahlt, dann verwandelt es sich nach Ablauf mehrerer Sparkreditzyklen in „eingefrorene Forderungen“, die autonom grenzenlos wachsen und grundsät z l i ch unt i lgbar sind. Die Folgen sind Wirtschaftskrise und ein krisenbedingtes Wirtschaftswachstum! Geld ist keine Ware, sondern ein Mittel zum Erwerb einer Ware. Gewöhnlich wird im Gelde, wie Silvio Gesell es tat, die reinste Form der Ware erblickt4,5,6. Die in der Literatur ausnahmslos verbreitete Standardbehauptung, Geld sei dreierlei: A) Recheneinheit und Wertmesser, B) Tauschmittel und C) Wertspeicherungsmittel, ist fal s ch. Diese von zahllosen Lehrbüchern verbreitete Behauptung hat ferner auch das rechtzeitige Erkennen des Wesens des Geldes verhindert, vereitelt und verzögert.7 Alle auf dieser veral teten Ans i cht beruhenden wirtschaftstheoretischen Analysen und Folgerungen sind irreführend. Da, wo sie zu richtigen Schlüssen führen, tun sie es zufällig, trotzdem sie falsch sind. Die monetarische Ansicht, bestehend aus A), B), C), ist ein Provisorium, keine wissenschaftliche Wahrheit, nicht einmal eine Hypothese! Sie steht dem vorwissenschaftlichen Denken der Cossisten nahe. Die Coss war Synonym für eine magische Rechenkunst. Johannes Kepler (1571-1629) amüsierte sich über sie. Seit der Entwicklung des logischen Denkens (Descartes, Leibniz, Schelling, Kant, Feuerbach, Schopenhauer) sollte sie abgelöst sein. Nicht so in den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften! Geld kann nicht geschaffen oder vernichtet werden, ohne die Wirtschaft zu schädigen. Geldschöpfung oder -vernichtung aliquot für alle ist eine sinnlose Handlung ohne Effekt, welche den Teilnehmern die Kaufkraft beläßt. Es drucke zB die Notenbank zusätzliches Geld, so daß jeder Geldbesitzer zu jedem Geldstück (GS), das er hat ein weiteres hinzu bekommt. Wer 1000 GS hat, bekomme 1000 hinzu, wer 100 GS hat, bekomme 100 dazu, wer 1 Mio hat, bekomme 1 Mio hinzu, dann haben alle doppelt soviel Geld, als sie vorher hatten. Dann kosten die Waren und Leistungen das Doppelte und es werden doppelt so viele GS bezahlt und eingenommen. Die Kaufkraft ist unverändert. Schöpft die Notenbank aber Geld für einzelne, so vernichtet sie Kaufkraft aller anderen. Nimmt man jedem von dem Gelde, das er hat, die Hälfte weg und vernichtet es, so hat man an der Kaufkraft aller wieder nichts verändert. Es werden dann für dieselben Waren und Dienstleistungen halb so viele GS ausgegeben und eingenommen, als zuvor. Nur dann, wenn man der Mehrheit und nicht allen, die Hälfte des Geldes, das sie hat, wegnimmt und vernichtet, hat man die Kaufkraft der restlichen Einzelnen gesteigert. – Daraus folgt, daß jeder Manipulation am existierenden Gelde der Boden zu entziehen ist. Dies anzubahnen obliegt der behördlichen Hoheit des Staates.8 Geld ist Verteilungsmittel, kein Tauschmittel. Wertschöpfende tragen bei zur Entstehung des Produkts in der arbeitsteiligen Wirtschaft und werden nach deren Beiträgen dafür entgolten. Wer mehr und besser leistet, bekommt mehr Anteilscheine; wer weniger bzw. schlechter leistet, erhält weniger Anteilscheine. Daraus entspringt für jeden einzelnen das Recht zum Bezug eines Teils des Produkts im Verhältnis seines Arbeitsbeitrags 4 Heinrich Färber: „Die Irrlehre Silvio Gesells“, Wien, 1934; Graz, 2001. 5 Im Buch „Geld u Kredit“ definiert W. Fuhrmann das Geld als Gut, das, wie andere Güter auf dem Gütermarkte auch, auf dem Geldmarkte gehandelt werde und seinen Wert (Kaufwert) je nach Angebot und Nachfrage ändere. Diese Sicht ist im Monetarismus charakteristisch, in welchem den fiktiven Geldleistungen die Hauptrolle (Plutokratie, Mammonismus) und den realen Produktionsleistungen eine Nebenrolle zugewiesen ist. 6 Siehe auch O. Issing „Einführung i d Geldtheorie“, 1998 und HJ Jarchow: „Theorie u Politik d Geldes“, 2003. 7 Heinrich Färber: „Wiedererrichtung der Geldmonopole nach dem Ersten Weltkriege Zweck des Völkerbundes“, Wien 1927, Graz 1997. 8 Sinngemäß nach Heinrich Färber: „Das ergokratische Manifest“, Wien 1930, Graz 1997. 9 zu jenem der anderen. Die Volkswirtschaft ist bezüglich der geschaffenen Leistungen eine Aktiengesellschaft. Das Aktienkapital ist die Arbeitskraft. Das Geld, der Anteilschein, ist die Aktie der Volkswirtschaft. Da es an Arbeitskräften nicht mangelt, ist es irreführend, von einem Kapitalmangel der Wirtschaft zu sprechen.9 Eine geradezu penetrant inflationär betriebene Propagierung des Tauschmittelcharakters durch Gesells Lehre vereitelt noch heute die Erkenntnis der Natur des Geldes als die eines Verteilungsmittels! Die täuschenden Begriffe „Bankguthaben“ und „Bruttonationalprodukt BNP“ Die österreichischen Bankguthaben (Ersparnisse, Wertpapieranlagen, Aktien, Lebensversicherungen, festverzinsliche Wertpapiere, Auslandsguthaben, etc.) betrugen 2004 4,07 Billionen ÖS = 4.070 Mrd. ÖS = 4,070.000 Mill. ÖS = 4,070.000,000.000 ÖS = 300 Mrd. Euro. Sie sind zugleich die Schulden der österreichischen Wirtschaft! Zum Begriff „Bankguthaben“ folgendes: Das Jahresbruttonationalprodukt BNP Österreichs erreichte 2004, in Geldwert gerechnet, ziemlich genau 3 Bill. ÖS = 220 Mrd. Euro oder 3.000 Mrd. ÖS. 1994 betrug es vergleichsweise 2.200 Mrd. ÖS (160 Mrd. Euro). Das durchschnittliche Monats-BNP 2004 ist daher 1/12 von 3 Bill. ÖS oder 250 Mrd. ÖS. Das ist identisch mit der real zirkulierenden Geldmenge, die man M1 nennt. Es ist gleichgültig, ob dieser Betrag in Papiergeld und Münzen existiert oder als aufgeschriebene Girokontobeträge kursiert oder aus einer Mischung aus beidem, sowohl aus Papier+Münzgeld, als auch aus Girokonto- bzw. „Buchgeldbeträgen“. In jedem Falle existiert nur dieses Geld und es hat die Größe von 250 Mrd. ÖS. = 18 Mrd. Euro. Mehr Geld gibt es nicht. Die Bankguthaben über 4,07 Bill. ÖS = 300 Mrd. Euro sind kein Geld, sondern Ansprüche auf die Ausfolgung von Geld in dieser Höhe! Die Bankguthaben sind zugleich die Schulden der Wirtschaft an die Geldsparer, Wertpapiersparer, Lebensversicherer, Aktienbesitzer, etc! Diese unangenehme Wahrheit enthüllt sich einem erst, wenn man bedenkt, daß auch das jährliche BIP in Geld nicht existiert, sondern bloß eine kumulative Rechengröße ist. Das jährliche BIP ist sinngemäß dasselbe, wie die in einer Heizperiode in einem Zentralheizungssystem umgewälzte Wassermenge. Ist zB zum Befüllen von Zentralheizungskörpern 100 Liter Wasser erforderlich und wird diese Wassermenge in einer Heizperiode 100 Male umgewälzt, dann hat die Umwälzpumpe insgesamt 10.000 Liter Wasser bewegt. Niemand wird behaupten, daß das Zentralheizungssystem mit 10.000 Liter Wasser befüllt worden sei. Desgleichen darf man nicht glauben, daß in der Volkswirtschaft Spargeld im Ausmaß von 4 Bill. ÖS vorhanden wären. Die wirklich vorhandene Geldmenge M1 beträgt ¼ Bill. ÖS = 250 Mrd. ÖS = 18 Mrd. € und ist identisch mit dem monatlichen BNP! Da das ganze Geld (250 Mrd. ÖS) monatlich einmal und jährlich zwölf Male zirkuliert, indem es monatlich zyklisch von den Lohn- und Gehaltszahlern zu den Lohn- und Gehaltsempfängern geht und von letzteren wieder auf dem Markt als Kaufgeld an die Lohn- und Gehaltszahler zurückströmt, glaubt man, jährlich 3 Bill. ÖS = 3.000 Mrd. ÖS zu sehen, während es sich bei diesem Jahreswert der Wirtschaftsleistung lediglich um eine Zählersumme handelt: es wurde im Jahr zwölf Mal so viel an Gütern und Leistungen erzeugt und verkauft, als in einem Monat. Zu diesem Umsetzen oder Umwälzen braucht man monatlich lediglich die Geldmenge M1, nämlich 250 Mrd. ÖS = 18 Mrd. € und nicht 3 Bill. ÖS. Wie jedoch die exorbitant hohe Sparguthabensumme der Sparer bzw. Schuldensumme der Wirtschaft von 4,07 Bill. ÖS = 300 Mrd. € entstanden sein konnte, ist eine der delikatesten Fragen überhaupt. Sie wird im Kapitel „Die Kinematik der Entstehung der Spargeldansprüche (Kapitalvermögen)“ ausführlich behandelt. 9 Sinngemäß nach Heinrich Färber: „Das ergokratische Evangelium“, Wien 1940, Graz 2003, S. 24. 10 Arten der In-Umlaufsetzung des Geldes und Geldknappheit Eine Wirtschaft braucht das Geld als Verteilungsmittel. Geld sollte einmalig in der staatlichen Notenbank NB emittiert werden. Heute aber sind Notenbanken AGs. Es gibt zumindest drei Arten der In-Umlaufsetzung des Geldes und zwar als: a) zinspflichtiger Kredit, durch die Nationalbank und die Kommerzbank; b) zinsloser Kredit (mit 1:1 Rückzahlungspflicht); c) Förderungszuwendung an Projektantragsteller (ohne Rückzahlungspflicht)10. Im monetarischen Kapitalismus gelangt das Zentralbankgeld wahlweise gemäß den aufgezählten Punkten in den Umlauf. Die häufigste Gestion (Handhabungsart) ist die der Vergabe als zinspflichtiger Kredit aus der privaten Nationalbank-AG über private Geschäftsbanken GB (Kommerzbankkredit) an die Unternehmerschaft U. Die U verschuldet sich, noch bevor überhaupt eine reale Leistung entstanden ist! Sie verwendet das Geld monatlich für Lohn- und Gehaltzahlungen und für Investitionen, somit wieder für Löhne und Gehälter. Das ganze Geld kehrt monatlich als Kaufgeld von den Haushalten (Konsumenten K) zur Unternehmerschaft U zurück, es kreist periodisch, zyklisch. Ohne künstliche Störungen zirkuliert das Geld ewig unverändert. Es gibt keine Krise. Da aber im monetarischen Kapitalismus Wirtschafts- und Finanzkrisen unleugbar vorhanden sind, ist es sicher, daß der Geldkreislauf hier durch irgendetwas gestört wird. Um zu verstehen, wodurch Störungen und die permanente Geldknappheit bewirkt sind, braucht man ein paar weitere Grundlagen. Der monetarische Geldarten-Dschungel „Die kompliziertesten Maschinen sind aus Wörtern gemacht“ (Katya Sander, MuMoK Wien, 2005) Wir fügen die daraus folgende Konsequenz hinzu: Worte fordern Verbindlichkeit! Geld is t , wie gesagt, ein Bezugs recht . Es gibt zweierlei Geldrechtarten: 1. Berechtigtes Geld 2. Unberechtigtes Geld Berechtigtes Geld ist das von der Notenbank am Anfang einer Währungsreform über Kommerzbanken zinspflichtig in die Zirkulation gebrachte Geldvolumen M1. Unberechtigtes Geld ist jedes Falschgeld, auch das staatlich legalisierte. Das ist Geld, welches zum bereits zirkulierenden Wirtschaftsgeld (Geldumlauf M1), zu einem späteren Zeitpunkt hinzukommt, indem durch eine zusätzliche Gelderzeugung (Geldschöpfung) weiteres Geld über Kommerzbanken an Kredit nehmende Subjekte und durch sie in den Umlauf eingeschleust wird und dort parasitär und unberechtigt teilnimmt an der schon mittels des berechtigten Geldes (M1) erfolgenden Verteilung der Güter und Leistungen. Zwei Erscheinungsformen des berechtigten Geldes a) Bargeld; b) Elektronisches E-Geldsubstitut, elektronisches Buchgeld, Giralgeld und Wertpapiere. Berechtigtes Geld ist Geld, welches eine konstante Größe besitzt, dh sich auch nach vielen Zirkulationsperioden – ein Monat ist eine Zirkulationsperiode – nicht ändert. Zwei Erscheinungsform des unberechtigten Geldes a) Parasitäres Inflationsbargeld (staatl. legalisiertes Falschgeld und „Blüten“); b) Parasitäres Inflationsbuchgeld, geschöpftes, elektronisches Giralgeld. 10 Geförderte Institutionen dürfen Fördergelder der OeNB nur ausgeben, aber nicht Gewinne erwirtschaften, zB Forschungsstätten oder Firmenabteilungen, die Jugendliche ausbilden. Finanztechnisch gesehen haben solche Einrichtungen während der Laufzeit der Fördergelder staatlichen Charakter, dh sie sind Steuergeldverwender. Dem Staat ist die schuldfreie Geldemission per OeNB-Statut untersagt [§ 41 „Verbot von Kreditfazilitäten für öffentliche Einrichtungen (Bund, Länder, Gemeinden)“]. Er darf Steuergeld, das er von den Steuerzahlern erhielt, ausgeben, nicht aber Notenbankgeld für Steuern beschaffen! 11 Unberechtigtes Geld wird in regelmäßigen oder auch unregelmäßigen Zeitabständen vermehrt (fast nie vermindert), so daß in jeder Zirkulationsperiode weiteres Geld hinzukommt. In Österreich lief 1950 eine Geldmenge von ca. 10 Mrd. ÖS monatlich um; in der BRD liefen 1948 (Währungsreform) 6,3 Mrd. DM um. Bis 2004 war der Geldumlauf in Österreich auf ca. ÖS 250 Mrd., in Deutschland auf ca. 300 Mrd. DM angewachsen. Die Wachstumsrate des zirkulierenden Banknotengeldes während der fünf Jahrzehnte zwischen 1948 und 2000 betrug in beiden Staaten ca. 6,5% – 7%11. Zusammensetzung der nicht baren Geldformen: a) berechtigtes, elektronisches Geld (Buchgeld oder Bargeldsubstitut); b) unberechtigtes, elektronisches Geld (geschöpftes Buchgeld); c) unberechtigte Ansprüche auf berechtigtes und auf unberechtigtes, elektronisches Geld. Diese Unterscheidung zwischen den Geldformen wurde nie getroffen. Ihr Fehlen ist die Ursache, weshalb das Finanzwesen ein Turm zu Babel geworden ist. Eine andere Ursache der Verwirrung ist die obsolete Gegensatzbildung „Kapitalismus – Sozialismus“ in totaler Unkenntnis der wichtigsten zwei Wirtschaftsformen: Zwei Wirtschaftsformen: a) monetarischer Kapitalismus (privater Kapitalismus und staatsmonopolistischer Kapitalismus, auch „Kommunismus“ oder „Sozialismus“ genannt); b) ergokratischer Edelkapitalismus (systematisch vereitelt durch Bürokratie und Monetarismus). Drei Inflationsarten a) Notenbankinflation und Kommerzbankinflation (Gelddrucken und Giralgeldschöpfung), b) Spargeldinflation (bankmäßige Geldschöpfung zur Befriedigung von Spargeldabhebungen), c) Steuerinflation (Zentralbankmäßige Geldschöpfung für Steuerzwecke; ungesetzlich). Fünf Steuersysteme 1. Naturalsteuer (veraltet) 2. Monetarisches Steuersystem (derzeit üblich, ultrabürokratisch: achtzig Steuerarten); 3. Inflationssteuersystem (1918-1921), (Staatliche Inflation); nur eine einzige Steuerart; 4. Automatisches Steuersystem (reine Geldsteuer), nur eine einzige Steuerart; 5. Lineare Steuer („Flat Tax“). Der gegenwärtige Kapitalismus ist ein „monetarischer Kapitalismus“, gekennzeichnet durch die Herrschaft der unberechtigten Geldformen über die berechtigten und in dieser Herrschaft getarnt durch identische, ununterscheidbare, elektronische Erscheinungsweisen aufgrund der bequemeren Zahlungsgewohnheiten. Die Alternative dazu ist der „ergokratische Kapitalismus“, gekennzeichnet durch die alleinige Herrschaft der produktiven Leistung und des verfassungsgesetzlichen Verbots aller nicht berechtigten Geldformen (Inflationsverbot, Zinsverbot, Verbot des monetarischen Steuersystems). Wodurch ist das Geld gedeckt? Geld ist gedeckt durch Leistungen und Güter der Volkswirtschaft, auf welche es sich bezieht. Geld bezieht sich nicht auf Gold oder Edelsteine. Gold oder Devisen sind keine Deckung des Geldes12. Sich Münzen, die als Zahlungsmittel verwendet werden sollen, für Gold ausprägen zu lassen, ist eine Brechung des Geldwertes, ein Mißbrauch, ein Vertragsbruch, weil Gold keine erbrachte Leistung bescheinigt, sondern in der Natur gefunden wird. Ein auf Hergabe eines Goldstücks geprägtes Geldstück verbrieft keinerlei Anspruch auf Leistungen der Volkswirtschaft. Frederick Soddy: „Gold-Standard Drags all Nations down to Level of Lowest.“ (“The Role of Money”, London, 11 Bei Gleichverteilung, beschäftigte man alle Arbeitslosen, wäre das Prokopfeinkommen in Österreich [in Deutschland] bei 3,5 Mio [40 Mio] Unselbständigen 250 Mrd./3,5 Mio = ÖS 71 400.- [330Mrd./40 Mio = DM 8 250.-]. 12 Die Wiedererrichtung der Geldmonopole nach dem I.WK Zweck des Völkerbundes, Wien 1927, Graz 1997. 12 1934). Sich mit dem Argument der Stabilisierung der Währung inländisches Geld zu drucken auf der Basis aufgekaufter Devisen, ist ein Raub durch Inflation13. Deckungsschwindel: die Deckung büßt Wert ein, das Gedeckte nimmt an Wert zu! Das, was die Seipel-Regierung und die sozialistische Opposition bereits 1926 verharmloste, scheint man auch im Europa von 2004, nach achtzig Jahren, erneut zu verharmlosen, obwohl sich dasselbe Drama zu wiederholen scheint. Heinrich Färbers im prosaischen Ton vorgetragene Analyse ist wegen ihrer brennenden Aktualität geradezu eine alle Umbruchszeiten überdauernde Muß-Lektüre geblieben14: „Was jeden Österreicher ohne Unterschied des Berufes interessieren sollte, ist erstens die Frage: wi e k ommt e s , daß der Dollar, der durch Gold voll gedeckte, der Dollar, der dazu ausersehen wurde, die europäischen Währungen zu decken, ihnen einen Wert und eine Kaufkraft zu verleihen – wie kommt es, daß dieser Dollar sowohl die Kaufkraft als auch den Wert einbüßt, daß die Warenpreise in Amerika steigen und der ausländische Wert, der Kurs, des Dollars sinkt? Wi e k ommt e s , daß der an sich Wert und Kaufkraft habende Dollar, an Wert und Kaufkraft verliert, während der an sich keinen Wert und keine Kaufkraft habende Schilling, der deckungsbedürftige, an Wert zunimmt, im Kurse steigt?15 Wi e k ommt e s , daß eine Währung, die deckungsbedürftig ist, wie zum Beispiel der Schilling, – wi e k ommt e s , daß eine solche Währung, nachdem sie einen Teil der Deckung verloren hatte, nachdem der Wert und die Kaufkraft des deckenden Dollars zurückgegangen war – w i e k ommt e s , daß diese Währung, dieser Schilling, von seinem Werte nicht nur nichts eingebüßt, sondern sogar an Wert zugenommen hat? Wi e k ommt e s , daß jemand, der Krücken haben muß, um aufrecht stehen zu können, nachdem die Krücken zerbrochen worden sind, nicht nur weiterhin aufrecht steht, sondern sogar zu laufen beginnt? Un d wi e k ommt e s , daß der Schilling nun, da er an äußerem Wert (Kurs) zunimmt, an innerem Wert (Kaufkraft) abnimmt, das heißt, daß die Warenpreise steigen, und man für dasselbe Geld weniger Ware bekommt? Wi e k ommt e s , daß ein Krüppel, dem beide Beine fehlen, welcher sich mit Prothesen bewegt, nun, da die Prothesen unbrauchbar geworden sind, sich mit einem Stumpf vorwärts und mit dem anderen rückwärts bewegt? Sieht man nun nicht ganz klar, daß Wert und Kaufkraft einer Währung nicht von einer so genannten Deckung abhängt, daß die Währung trotz Deckung sowohl Wert als auch Kaufkraft verlieren kann? Wovon also hängt Wert und Kaufkraft einer Währung denn ab?“ Heinrich Färber widmete diesem Fragenbündel einen ganzen Antwortkomplex, welcher weit über das hinausgeht, was moderne Lehrbücher auf diese „alten“ und bisher nie klar beantworteten Fragen zu sagen wissen. Die wahre Deckung: a) Die Kaufkraft. „Die Kaufkraft einer Währung überhaupt hängt von dem Vorhandensein von Waren ab. Kann man in einer Wirtschaft, wie sie jetzt ist, mit ihren tausenderlei Artikeln und bei der tausendfältigen Arbeitsteilung die Waren ohne Geld absetzen? Wenn man aber Geld haben muß, um die Waren abzusetzen, wenn man Ware für Geld verkaufen muß, so muß man für Geld Ware kaufen können, muß man für Geld Ware bekommen; das heißt, das Geld hat Kaufkraft. Es hat Kaufkraft, weil Ware vorhanden ist; nur wenn keine Ware vorhanden ist, ist es möglich, daß das Geld keine Kaufkraft hätte; es ist aber nicht möglich, daß es, trotzdem Ware vor- 13 Heinrich Färber: „Monetaros I-IV“, Wien 1926. 14 „Ungeheure Inflation in Amerika! E+ geht Österreic an“ H. Färber, in „Der Scaffende“, Nr. 9; Wien, 1. Jän. 1927. 15 Der Eurokurs 2004 steigt, doch das Publikum klagt über den „Teuro“, über den Kaufkraftschwund! 13 handen ist, keine Kaufkraft hätte aus dem Grunde, weil keine Deckung in einer Notenbank begraben ist. Die Ware einer Volkswirtschaft ist die Deckung ihres Geldes; eine in einer Notenbank begrabene Deckung braucht man dazu nicht: diese Deckung hat auch keinen Zweck; denn ist keine Ware da, so hat das Geld trotz des begrabenen Schatzes keine Kaufkraft; es hat keine Kaufkraft, es kann keine Ware kaufen, weil keine da ist; es [das Geld] ist dann also trotz des begrabenen Schatzes nicht gedeckt. Wenn aber die Kaufkraft des Geldes überhaupt nur vom Vorhandensein von Ware abhängt, so ist es klar, daß die Größe der Kaufkraft des Geldes nur von der Größe der vorhandenen Warenmenge abhängt. Man kauft fürs gesamte Geld einer Volkswirtschaft mehr Ware, wenn mehr Ware da ist, und weniger, wenn weniger Ware vorhanden ist. Die Kaufkraft des gesamten Geldes einer Volkswirtschaft steigt und sinkt mit der Zunahme und der Abnahme der Warenmenge. Für einen Bruchteil des gesamten Geldes kauft man selbstverständlich bloß denselben Bruchteil der Warenmenge, die man fürs gesamte Geld kauft: für die Hälfte des gesamten Geldes die Hälfte der Warenmenge, für ein Viertel des gesamten Geldes bloß ein Viertel der Warenmenge usw. Die Kaufkraft der Geldeinheit, zum Beispiel eines Schillings, hängt also davon ab, welchen Bruchteil des gesamten Geldes die Einheit dars t e l l t . Wenn die Einheit zum Beispiel die Hälfte des gesamten Geldes bildet, ist ihre Kaufkraft zweimal so groß, wie wenn sie bloß ein Viertel des gesamten Geldes wäre usw. Wenn man den Geldumlauf vermehrt, wird der Bruchteil der Geldeinheit verkleinert. Wenn das gesamte Geld zum Beispiel aus zwei Schillingen besteht, so ist ein Schilling die Hälfte des gesamten Geldes; wenn das gesamte Geld aber aus vier Schillingen besteht, so ist ein Schilling bloß ein Viertel des gesamten Geldes. Im ersten Falle kauft man für einen Schilling die Hälfte, im zweiten Falle bloß ein Viertel der Warenmenge. Vermehrt man den Geldumlauf auf das Zweifache, so sinkt die Kaufkraft des Schillings um die Hälfte. Es ist nun klar, daß dies der Fall ist, einerlei, ob in der Notenbank ein Schatz, eine Deckung, begraben ist oder nicht. Die Größe der Kaufkraft einer Geldeinheit hängt also erstens von der Größe der Warenmenge und zweitens von der Geldmenge, dem Geldumlauf, ab. Eine begrabene Deckung hat darauf keinen Einfluß.“ „Die wahre Deckung: b) Der Kurs“ Wie die innere Kauf k raf t einer Währung von der Warenmenge, das ist die Menge der Sache, die fürs Geld zu verkaufen ist, abhängt, hängt auch die äußere Kauf k raf t , der Kurs, einer Währung von der Sache, die auf dem internationalen Markte für diese Währung zu verkaufen ist, ab, das ist von dem ausländischen Gelde, das für diese Währung angeboten wird. Der Kurs des Dollars, für die man Schillinge kaufen möchte, hängt von der Menge der Schillinge, für die man Dollars zu kaufen sucht, ab. Was diese beiderseitigen Mengen bestimmt, ist in diesem Absatze nicht zu erklären, es ist ein Kapitel für sich; aber das eine ist klar, daß durch eine Vermehrung des Dollarumlaufs, durch eine amerikanische Inflation, nicht nur die Dollars, für welche Mark zu kaufen gesucht wird, sondern auch die, für welche man Schillinge kaufen möchte, vermehrt werden. Oben haben wir denn auch gelesen, daß sowohl in Wien als auch in Berlin Dollars in großer Menge angeboten wurden; nun wissen wir, warum dies geschah, nämlich, weil Amerika Inflation gemacht, den Dollarumlauf vermehrt hat. Aus diesem Grunde ist der Dollarkurs, wie oben zu lesen ist, auch gefallen.“ Amerika und England überschwemmen Deutschland und Österreich mit inflationierten entwerteten Dollars und Pfunden! Ein anderes Zeichen für diese Inflation ist folgende Erscheinung: Am 20. 12. 1926 haben wir gelesen, daß sowohl in Wien als auch in Berlin Golddevisen i n g r oßer 14 Menge abgestoßen werden, und daß die Devisenlieferungen bei der OeNB z i emlich bedeutend sind. Der Dollarkurs sank in Wien auf 708,50. Am 21. 12. 1926 haben wir gelesen: „Neue Tiefkurse für den Dollar in Wi e n . Infolge des großen Devisenangebotes, insbesondere in Pfunden und Dollars, ging der Dollarkurs in Wien gestern wieder auf einen Ti e f s t an d von 707,80 zurück. Die Devisenkäufe an die Notenbank nehmen in stärkerem Maße zu. Keine Zeitung bespricht die tief erschütternde Bedeutung dieser Erscheinungen! Diese Erscheinungen sind, wie gesagt, durch die Dollarinflation zu erklären. Amerika hat zu viele Dollars und bietet sie dem Auslande zum Kaufe an, deshalb sinkt der Dollarkurs. Das, meint man, sei eine Sache, die nur die Valutenhändler interessiert; leider ist es nicht wahr. Das Naturwidrige einer Stabilisierung Was geht uns diese Sache an, wird man fragen, warum sollten wir uns dafür interessieren, da wir keine Valutenhändler sind. Gewiß, antworten wir; wenn nichts weiter daran wäre, als daß Amerika eine Inflation gemacht hat, ferner, daß die Warenpreise in Amerika gestiegen sind, und schließlich, daß die Amerikaner uns ihre so entwerteten Dollars maturgemäß billiger verkaufen, würden auch wir, die wir keine Valutenhändler sind, uns dafür nicht interessieren. Wir würden dann auch nichts daran auszusetzen haben, da dies ja die naturgemäße Folge der amerikanischen Inflation ist. Die Sache steht aber ganz anders. Es ist ja gar nicht wahr, daß Ihr (die Allgemeinheit) dafür kein Interesse hättet. Ihr alle, einerlei, welcher Partei Ihr angehört, wolltet eine stabilisierte Währung haben. Einerlei, ob schwarz oder rot, der ganze Nationalrat hatte nichts Wichtigeres zu tun, als die Währung zu stabilisieren. Der Vertreter der Proletarier Dr. Bauer gratulierte dem Dr. Seipel im Parlament zur gelungenen Stabilisierung. In einer seiner Broschüren rühmte sich Dr. Bauer dessen, daß die Stabilisierungspolitik der österreichischen Nationalbank seine Politik sei. Und, seien wir ehrlich, wer außerhalb der ergokratischen Partei ist denn nicht überzeugt, daß die Stabilisierung der Währung eine hervorragende und glückbringende Leistung sei? Wie eine Währung stabilisiert wird, dürften allerdings nur Ergokraten wissen. Nun denn, die Stabilisierung der Währung hängt mit der Geschichte, die wir hier behandeln, zusammen; und wenn Ihr Euch für die Stabilisierung so warm interessiert, müßt Ihr auch für diese Abhandlung Interesse haben; denn nun könnt Ihr sehen, wie man eine Währung stabilisiert. Man stabilisiert eine Währung, indem man Maßnahmen trifft, um zu verhindern, daß nicht das geschehe, was naturgemäß geschehen sollte. Naturgemäß müßte Amerika uns die Dollars, die es durch Inflation entwertet hat, billiger verkaufen, und Amerika würde es auch bestimmt einsehen, einsehen müssen und billiger verkaufen müssen, wie durch die Tatsache beweisen ist, daß es uns die Dollars billiger verkauft hat; aber unsere Währung wäre dann nicht stabilisiert; wir bekämen für dieselbe Anzahl von Schillingen mehr Dollars oder wir zahlten für einen Dollar weniger Schillinge, das heißt, unser Schilling würde steigen und der Dollar würde sinken. Daß dieses Unglück nicht geschehe, dafür sorgte der österreichische Nationalrat16, indem er eine Ak t iengesel l schaf t zum Gelddruc ken ins Leben rief, die in Befolgung der Politik des Dr. Bauer einem solchen Geschehen halt gebietet. Wie macht sie es? Wie wird stabilisiert? Oben haben wir gelesen, wie eine Notenbank imstande ist zu stabilisieren. Am 20. lasen wir: „Bei der österreichischen Nationalbank sind die Dollareinlieferungen zieml ich bedeutend.“ Am 21. lasen wir: „Die Devisenverkäufe an die Nationalbank nehmen in s tärkeren Maße zu.“ 16 Siehe das Kapitel „Monetarismus und Zinsendienste“ und „Genfer Sanierung“ ff. 15 Bei der ökonomischen Orientierung unseres Volkes ist es nicht zu verwundern, daß die meisten solche Berichte gar nicht lesen, andere sie nicht beachten, und wieder andere, die sie lesen und beachten, sich nur darüber freuen, daß unsere Nationalbank (unsere?) mehr Devisen haben wird. Wer weiß und bedenkt es aber, daß die Notenbank zu diesem Zwecke neue Schillinge druckt, Inflation macht? Das Drucken neuer Schillinge, das Entwerten des Schillings an sich ist nur eine Dummheit, aber noch nicht das Böse. (Von den Nebenwirkungen einer Inflation wollen wir hier absehen). Die Amerikaner möchten uns übers Ohr hauen und uns entwertete Dollars, die sie im Überfluß haben, anhängen; nun druckt die österreichische Notenbank neue Schillinge und entwertet den Schilling ebenfalls, um den Amerikanern für entwertete Dollars ebenso entwertete Schillinge zu geben. So gesehen wäre es eine harmlose Dummhei t ; denn entwertet man den Schilling nicht, so zahlt man für den entwerteten Dollar weniger Schillinge, wie die früher gelesenen Tatsachen bewiesen haben; wenn man den Schilling aber entwertet, muß man für den Dollar mehr Schillinge zahlen. Es käme also auf eins heraus, und die Entwertung, die Stabilisierung, des Schillings wäre eine harmlose Dummheit. Zweck der Stabilisierung Das wäre der Fall, wenn die Notenbank die neuen Schillinge unter die Schillingbesitzer verteilte; sie würden dann zwar mehr Schillinge für den Dollar zahlen, dagegen hätten sie aber neue Schillinge umsonst erhalten; sie würden daher keinen Schaden haben. So dumm ist doch aber eine Notenbank nicht, daß sie Banknoten zum Verteilen druckte. Sie druckt die neuen Schillinge für sich und kauft dafür Dol lars . Die Schillinge kosten sie nichts, wie in diesen Blättern bereits erklärt wurde; sie bekommt die Dollars also umsonst . Nicht recht gescheit sind nur die Österreicher, denen eine solche Stabilisierung Vergnügen macht; denn davon kommt folgendes heraus: Die neuen Schillinge kosten die Nationalbank, wie gesagt, nichts.17 Sind aber die Amerikaner so dumm, um für ihre Dollars etwas zu nehmen, was nichts kostet? Was nichts kostet, kann etwas Geschenktes, etwas Gestohlenes, aber auch etwas, was wertlos ist, sein. Da die Notenbank die neuen Schillinge nicht geschenkt erhielt, und wir vorderhand nicht sagen möchten, daß sie sie gestohlen habe, so müßten wir annehmen, daß die neuen Schillinge etwas Wertloses sind; sind die Amerikaner so dumm, um für ihre Dollars etwas Wertloses zu nehmen? Welches Geheimnis steckt da dahinter? Folgendes: Stabilisieren ist Stehlen. Es ist richtig, daß die neuen Schillinge die Notenbank nichts kosteten; aber die Amerikaner kaufen für diese Schillinge, die sie von der Nationalbank erhielten, in der österreichischen Volkswirtschaft ein. Sie kaufen die Waren weg, die sonst die Österreicher für ihre alten Schillinge bekommen hätten. Die Besitzer der alten Schillinge haben also den Schaden; sie tragen die Kosten der neuen Schillinge, ihnen wurde die Ware ges tohlen. Nun sehen wir, daß die neuen Schillinge, die die neue Notenbank druckte, nicht etwas Wertloses, auch nicht etwas Geschenktes, sondern etwas Ges tohlenes sind; gestohlen den Besitzern der alten Schillinge; denn es ist alleseins, ob man den Besitzern des alten Geldes Schillinge stiehlt oder das, was sie für ihre Schillinge bekommen sollten. Für gestohlene Schillinge also kauft die österreichische Notenbank Dollardevisen, und das heißt Stabilisierung der Währung! 17 Siehe H. Färber: MENETEKEL I., Wien 1935, Graz 1998, S. 23: „Der Papierfabrikant liefert der Notenbank einen Waggon Papier und bekommt dafür ein Stückchen seines Papiers, allerdings bedruckt, und damit ist er bezahlt! Bedruckt wird dieses Stückchen Papier von einem Arbeiter der Notenbank, und der Arbeitslohn wird mit einem Stückchen Papier des Papierfabrikanten bezahlt! Welche Gestehungskosten hat die Notenbank? Was ist ihre Leistung? Und wer ist ihr einen „bürgerlichen Nutzen“ schuldig?…“ 16 Stabilisieren ist betrügen und rauben. Aber nicht nur die Schillingbesitzer, das sind die Konsumenten, haben den Schaden, auch die Warenverkäufer, die Produzenten, werden dadurch geschädigt. Sie wissen ja nicht, daß die Notenbank durch Vermehrung des Geldumlaufs den Schilling entwertet hat; sie geben dem Amerikaner daher für den neuen Schilling ebensoviel Ware wie vorher; sie werden also betrogen und beraubt. Was ist nun das Ergebnis? Die Konsumenten werden bestohlen, die Produzenten und die Kaufleute werden beraubt, den Gewinn, die Beute haben die Notenbanken, die Inflation gemacht haben, die amerikanische sowohl als auch die österreichische. Das ist Stabilisierung der Währung, mit der der österreichische Fi – nanzminister Dr . Kienböck so „glücklich“ ist. Das ist die „überragende Bedeutung“ der Nationalbank, ihr „legitimer Wirkungskreis“, wovon Dr . Ot to Bauer sprach, weshalb sie sein Vertrauen erworben hat. Das ist das „ethi s che Interes – se“ der Notenbank, „Noten zu drucken“, wovon Dr . Reisch sprach (Bericht des Finanzministers und Bundesausschusses vom 22. Dez. 1926). – Oh, zwanzigstes Jahrhundert! Begrabe dein Haupt, verhülle deine Augen, verbirg´ dein Angesicht vor Schande! Nichts ist schändlicher, als deine dumme Währungspolitik!“ Der Intellekt Ursprung der wirtschaftlichen Werte Der erste Satz in Marxens Lehre, die Arbeit sei das Fundament der Rente, des Kapitals, der Arbeitswerttheorie, ist kritikwürdig! Nicht die Arbeit ist das Fundament der Wirtschaft, sie ist lediglich Handlanger im Dienste des menschlichen Intellekts. Aus der Summe tausendjähriger Erfahrungen und immer neuen geistigen Errungenschaften zieht der Intellekt aus dem kleinsten Aufwand an Zeit und Mühe den größten Effekt, schrieb der Berliner Bankdirektor Lansburgh (1872-1937)18. Daraus folgt, daß das bürokratische Prinzip „Vollbeschäftigung“ einer Modifikation bedarf. Lehrsatz: Die Wirtschaft produziert weniger mit der Arbeit als mit dem Verstand. Der Marktpreis aller Güter berechnet sich nicht nach Arbeitsstunden. Die Arbeit muß den Intellekt unterbieten, anders kann sie sich nicht bewähren. Dann fällt der Arbeitslohn oft unter das Existenzminimum. Daher sollte sich der Lohn nach dem Ideenreichtum (Lansburgh) richten. Stichhältig ist Färbers Lohndefinition. Aus der Ar – b e i t s t e i l i g k e i t der Wirtschaft folgt mit zwingender Notwendigkeit: Der Lohn entspricht dem individuellen Beitrag zum gesamten Produkt. Die Ergokratie und die Verteilungsfrage. Die ergokratische Wirtschaftslehre von Heinrich Färber beruht auf dem Grundsatz – welcher von den herkömmlichen Wirtschaftslehren nicht erkannt worden ist – daß aus der Arbeitsteiligkeit der Produktion aller materiellen und ideellen Lebensgüter unbedingt ein berechtigter Anspruch erwächst für jeden an der Wertschöpfung Beteiligten, auf die Ausfolgung eines Teils des Produkts und zwar in einem Umfang, welcher dessen Arbeitsleistung entspricht. Unbestreitbar ist, daß eine Gesellschaft von Teilhabern, das ist eine Arbeitsgemeinschaft (Staat, Wirtschaft), ohne eine Regel der Verteilung unvorstellbar ist. Bedenkt man ferner die Tatsache, daß ausreichend Lebensgüter da sind und außerdem ungenützte Arbeitskräfte, welche noch mehr von allen guten Dingen herstellen könnten, und daß dennoch viele Familien der aktiv Tätigen Mangel leiden, so ist es gewiß, daß nur eine ungerechte Verteilung dafür verantwortlich ist. So lange kein gerechter Verteilungsmodus gefunden wird, ist an eine Besserung der Wirtschaft nicht zu denken. 18 Alfred Lansburgh („Argentarius“): „Das Kapital“, Berlin 1930; „Die Arbeit“, Berlin, 1931. 17 Die Plünderung der Wirtschaft durch Geldmonopol und Finanz Die ergokratische Lehre hat den Verursacher der ungerechten Verteilung identifiziert: das Geldmonopol. Dieses Geldmonopol agiert in vielen Formen auf der politischen Bühne: Inflation, Geldentwertung, Kaufkraftschwund, Geldknappheit, Geldsparen, Wertpapieranlegen, Aktienhandel, Börsenspekulation, Investmentfondsparen, Steuervergünstigungen, Steuerflucht in Steueroasen, etc. Allen Formen des Geldmonopols ist eines gemeinsam: Die Erlangung von Zugriffsrechten auf große Teile des aktuell zirkulierenden Geldvolumens M1 = 250 Mrd ÖS = 18 Mrd. Euro. Eine der entsetzlichsten Tatsachen ist es, daß die Wertschöpfenden die Entstehung eines Finanzsektors (Banken, Versicherungen) geradezu erzwungen haben, welcher aus einer weltweit äußerst kleinen Zahl von Menschen besteht. Das Weltvolk schenkt diesem Sektor größte Teile seiner Erzeugnisse. Mehr noch: In jedem Lande der Welt wuchs dem Finanzsektor die Macht zu, ein V iel faches des z i r kul ierenden Geldes zu fordern! In Österreich fordert er das ca. 23-fache des Geldumlaufs, in Deutschland das ca. 30-fache des dortigen Geldumlaufs, in der EU fordert er das ca. 20-fache des europäischen Geldumlaufs usw. Nicht Mutwille dieser kleinen Zahl von Menschen oder deren Gier ist es, sondern ein unerkannter Umstand, welchen man größtenteils den Abermillionen gedankenlosen, kleinen Sparern ankreiden muß! „Die Produzenten“, schrieb Heinrich Färber19, „sollten sich daher nicht einbilden, daß alles, was sie erzeugten, ihnen gehöre. Würde man nämlich alles, was sie haben, versteigern, könnten sie nicht mehr als den Geldumlauf [M1, d. Verf.] einnehmen, während das Geldmonopol ein Vielfaches dessen, was die Produzenten haben, von ihnen fordert. Die Finanz würde alles, was die Produzenten haben, mit einem geringen Teil der Forderungen erwerben. Den Produzenten bliebe nichts außer der Rest der Schulden. Kurz, es steht fest, daß die jetzige Wirtschaft so geartet ist, daß es der Finanz möglich ist, die Produzenten bis aufs Hemd zu plündern.” Die derzeitige allgemeine Auffassung von Ordnung (monetarischer Kapitalismus und monetarischer Sozialismus) garantiert dem Geldmonopol, dem Finanzsektor, schrankenlose Freiheiten zur Ausplünderung der Wirtschaft. Bei einer Verteilung gemäß der Leistung (E r g o k r a t i e ) wäre eine Ausplünderung der Wertschöpfenden durch jene, welche sich an der Wertschöpfung nicht zu beteiligen brauchen, ausgeschlossen. Sollte daher kein gerechter Verteilungsmodus gefunden werden, ist eine Gesundung der Wirtschaft unmöglich. Die monetarisch verfasste Wirtschaft beruht auf Zinsen Geldmonopol und Finanzsektor sind eins. Sie sind Nutznießer des Zinswesens. Der Zins ist das Werkzeug zur sich monatlich wiederholenden Erzwingung von Zugriffsrechten auf einen erheblichen Teil des monatlich zirkulierenden Wirtschaftsgeldes M1. Mit diesem Geldanteil wird der Wirtschaft ein großer Teil der Güter und Leistungen geraubt. Folglich ist der Zins der Hebel zur Beraubung der Wirtschaft. Die ergokratische Wirtschaft kommt ohne das Zinswesen aus In einer durch Ordnungspolitik vor Beraubungen geschützten Wirtschaft gibt es keine Inflation und keine Zinsen. Sie sind sachlich nicht gerechtfertigt. Das ergokratische Inflationsverbot bewirkt zweierlei: 1. es verbietet die Geldmengensteuerungspolitik der Zentralbanken und 2. es macht Börsen und Börsengeschäfte überflüssig. Die Sorge um das richtige „Geldmengenziel“ entfällt. Nach Färber ist das einmal gedruckte Geld niemals zu wenig. Es ist lediglich ungerecht verteilt. Für eine geregelte Verteilung ist die monopolistische Manipulation der Geldmenge ein unpassender Ansatz! 19 Der Ergokrat, Nr. 11, „Denkschrift: Färber an den Präsidenten Roosevelt“, Wien, Juni 1934. 18 Geldmenge: E n twe d e r Bargeld o d e r Buchgeld oder b e i d e s ? Das zirkulierende Geld kann entweder aus Bargeld oder aus Buchgeld oder aber aus beiden Geldarten bestehen. Das Bargeld wird in einem „Geldwettlauf“ immer mehr vom elektronischen Buchgeld verdrängt. Dabei sollte die Geldmenge M1 unverändert bleiben. Das aus dem Markt verdrängte Bargeld sollte als Reserve zur jederzeitigen Verfügung in der Zentralbank stillgelegt sein. Das in den Markt hineindrängende Buchgeld kann das Bargeld daher höchstens ersetzen. In der ergokratisch geordneten Wirtschaft gibt es kein Steuerproblem Inflationsverbot und Zinsverbot könnten viele Zentralbankfunktionen entbehrlich machen. Es entfielen: 1. die Steuerung der Geldmenge; 2. die Leitzinspolitik, 3. Anleihepolitik und Zinsendienste; 3. die Kürzung des Budgets; 4. die Defizite. Vor allem entfielen Finanzämter, weil die Steuer durch einen neuen Algorithmus eingezogen wird und nicht, wie jetzt, indem der Zwangsstaat der Steuer erfolglos hinterher hetzt. Geldgewinne kein Wirtschaftszweck! Es gibt keine Geldgewinne ohne Geldverluste. Da Geldverluste unerwünscht sind, ist der Wirtschaftszweck 1. die Sicherung der Existenz der Bevölkerung, 2. die Schaffung von Wohlbefinden für alle und 3. Maximierung der Freiheit und Entfaltung jedes Menschen. Mehr Geld zu bekommen für mehr und bessere Leistungen ist möglich in einem geordneten Staatswesen, wo dem Gelde keine Potentiale zum Mißbrauch innewohnen. Im derzeitigen Monetarismus ist das Geld so verfaßt, daß es dreierlei zeitigt: 1. eine Beraubung der Wirtschaft, 2. den Ausschluß eines Teils der Leistungswilligen aus der Wertschöpfung und 3. steigende Vorenthaltung der Disponibilität / Freiheit! Da es keine Geldgewinne ohne -verluste gi

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