lupo cattivo – gegen die Weltherrschaft

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DIE GRUNDLAGEN DER BATES-METHODE

Deutliches Sehen ist das Ergebnis aufmerksamer Wahrnehmung und richtigen Erkennens. Eine Steigerung der Erkennungskraft steigert meist die Wahrnehmungskraft sowie das Ergebnis von Wahrnehmung und Erkennen, das wir „Sehen” nennen.

Das Sehvermögen kann gesteigert werden; der Schlüssel dazu ist, Gehirn und Augen zu entspannen. Auf dieser einfachen Erkenntnis beruht die Methode, mit deren Hilfe Dr. William H. Bates und alle jene, die seine Methode anwenden, so vielen Erwachsenen und Kindern zu besserem Sehen verhelfen konnten.

Die Notwendigkeit, das natürliche Sehvermögen zu verbessern, ist in jüngster Vergangenheit besonders nachdrücklich zur Geltung gekommen. Der zweite Weltkrieg mit seinen ungeheuren Anstrengungen zur Verteidigung stellte nicht nur an die Augen der Soldaten im Felde erhöhte Ansprüche, sondern auch an die Augen der Zivilbevölkerung. Auch die Tendenz, auf visueller Grundlage zu unterrichten, setzt ein gutes Sehvermögen bei allen Schülern voraus.
In unserem überfeinerten Zeitalter ist ein gutes Sehvermögen eine Fertigkeit und muß wie jede andere Fertigkeit entwickelt werden. Dr. Bates hat bewiesen, daß das Sehvermögen geschult werden kann; seine Lehre vollbrachte bei der Rückgewinnung geschwächter Sehkraft wahre Wunder. In allen Erdteilen gibt es Menschen jeden Alters und jeden Berufs, die eine Besserung ihres Sehvermögens der Methode des Dr. Bates verdanken
Kampf gegen alte Theorien
Das Bates-System hat mit vielen alten Theorien über die Augenheilkunde aufgeräumt. Jahrelang hat man geglaubt, die Sehkraft zu verbessern sei unmöglich; der Mensch sei eben von Natur aus mit kräftigen oder schwachen Augen, mit gutem oder schlechtem Sehvermögen ausgestattet und müsse sich auf Lebenszeit mit dem gegebenen Zustand abfinden, sofern dem nicht durch Augengläser abgeholfen werden könne.

Eine andere weitverbreitete Meinung war, jedes Auge, ob kräftig oder schwach, büße seine Kraft mit zunehmendem Alter ein, obwohl oft genug das Gegenteil gilt; manche Menschen bleiben trotz hohen Alters im Besitz eines ausgezeichneten Sehvermögens oder stellen sogar eine Besserung der Sehkraft fest, wenn sie aus dem Lebenskampf ausscheiden und dem Treiben der Welt gelassen zuschauen. Mit Vierzig, wird uns gesagt, müßte jeder beim Lesen Augengläser tragen. Die meisten Menschen brauchen sogar bifokale oder, schlimmer noch, trifokale Gläser. Dies, so heißt es, ist auf die unvermeidliche Verhärtung der Augenlinse im Alter zurückzuführen, die das Nahsehen ohne Gläser erschwert.

Heute sind uns die Irrtümer bekannt, auf denen solche Trugschlüsse fußen. Dr. Bates hat bewiesen, daß das Auge trainiert werden kann und daß entspannte und an Sonnenbestrahlung gewöhnte Augen im Altec nicht schwächer werden. Er hat ferner festgestellt, daß nicht nur das Auge trainiert, sondern auch das Zusammenspiel von Auge und Gehirn durch Schulung erheblich verbessert werden kann.
Auge und Gehirn lassen sich leicht zu strafferer Zusammenarbeit erziehen; denn der Sehnerv, eine Ausstülpung des Gehirns, ist ebenso ein Teil des Auges wie des Gehirns. Das Ende des Sehnervs kleidet das Augeninnere als Haut aus und wird Netzhaut genannt. Die Netzhaut funktioniert als lichtempfindliche Schicht, dem Film in einer Kamera vergleichbar; sie nimmt das Bild auf, das dann im Gehirn entwickelt wird.

Dr. Bates stellte ferner fest, daß gutes oder schlechtes Sehen, Kurzsichtigkeit oder Weitsichtigkeit nicht von der Beschaffenheit der Linse abhängen. Er entfernte die Linse aus dem Auge eines Patienten durch die Staroperation und brachte es dennoch nach der Operation fertig, das Auge für Nah und Fern gleich sehtüchtig zu machen, wie ja auch die linsenlose Camera obscura Bilder aufnehmen kann.

Diese Möglichkeit, entdeckte Dr. Bates, beruht darauf, daß das Auge nach dem Prinzip aller optischen Instrumente -Feldstecher, Teleskop und Photoapparat — arbeitet: die Längsachse des Augapfels verlängert sich beim Lesen und verkürzt sich beim Betrachten eines entfernten Gegenstandes. Dies nennt man die Akkommodation. Ist die Akkommodation gut und blickt das Auge gerade auf einen Punkt, so ist es auf ihn eingestellt. Dr. Bates erkannte weiter, daß es unmöglich ist, Einfluß auf diese Akkommodation des Augapfels bei der Fixierung eines nahen oder fernen Punktes zu nehmen, da sie von unwillkürlichen Muskeln regiert wird.

Die unwillkürliche Muskulatur funktioniert, wie und wann sie will; normal, wenn sie entspannt, anormal, wenn sie verkrampft ist. Da jeder der unwillkürlichen Muskeln ein Ausläufer eines jener langen Muskeln ist, die von außen mit dem Augapfel verbunden sind, bezeichnen wir diese unwillkürlichen Muskeln in ihrer Gesamtheit als äußere unwillkürliche Muskulatur.

Die meisten äußeren Muskeln lassen sich von unserem Willen beeinflussen. Wir können ihre Funktion willkürlich bestimmen. Diese willkürlichen Muskeln treten zum Beispiel in Tätigkeit, wenn wir die Augen von der einen nach der ändern Seite rollen oder sie nach oben und unten bewegen. Solche Augenbewegungen bewirken allerdings keine Akkommodation; diese wird nur durch Entspannung erreicht.
Versuche, die Akkommodation des Auges durch Augengymnastik zu beeinflussen, haben sich als unwirksam erwiesen. Die Erklärung hiefür ist: Augengymnastik ist eine willkürliche Handlung. Solche Übungen haben keinen unmittelbaren Einfluß auf jene Muskeln,auf die wir einzuwirken bestrebt sind, eben jene, die die Einstellung auf einen nahen oder fernen Punkt bestimmen.

Darum sieht die Bates-Methode von solchen Übungen ab, die einen bewußten Einfluß auf das Auge auszuüben versuchen und in der Tat zu einer Verschlimmerung mangelhafter Sehkraft führen können. Die Bates-Methode hat das Ziel, durch vollkommene Entspannung die Sehtätigkeit zu erhöhen, damit Auge und Gehirn normal zusammenarbeiten können, die Akkommodation der Augen den unwillkürlichen Muskeln überlassen und eine klare Einstellung möglich ist.

Zwei Arten von Entspannung

Die Entspannung, das Geheimnis normalen Sehens, bildet also die Grundlage für unsere Augenübungen. Es gibt zwei Arten von Entspannung.
Die Entspannung, der man sich überläßt, wenn man ruht und die Augen nicht gebraucht.

Jene Art der Entspannung, die man ganz selbstverständlich beim Arbeiten beibehalten soll und die ein rasches und klares Sehen gewährleistet.

Sobald entspanntes Sehen zur Gewohnheit geworden ist, kräftigen sich die Augen durch den bloßen Gebrauch, wie ja auch jeder andere Körperteil durch entspannte Tätigkeit gesünder und stärker wird. So wird beispielsweise auch bei der Behandlung von Schwerhörigen stets größter Wert auf Entspannung gelegt.

Ein Athlet ist erst dann in guter Form, wenn er entspannt ist.
Zeitaufnahmen von einem guten Boxer oder einem guten Läufer zeigen, wie sie, obwohl sie ihre Muskeln für kurze Augenblicke anspannen, um mehr Kraft zu entwickeln, beim Boxen oder Laufen allgemein entspannt bleiben. Hauptsächlich darum pflegen Sportler vor dem Wettkampf sich durch leichte Übungen aufzulockern.

Die normale, entspannte Funktion des Auges wird durch die großen Anforderungen des modernen Lebens stark beeinträchtigt.
Menschen, die ein gemächliches Leben führen, leiden nicht an überanstrengten Augen. Es wäre dringend geboten, Kindern schon in den untersten Schulklassen die Kunst des Sichentspannens beim Lernen und bei der Arbeit beizubringen. Tatsache ist, daß Wissen am leichtesten erworben und schöpferische Arbeit am besten geleistet wird, wenn das Gehirn entspannt und ruhig ist.

Mancher Schriftsteller hat mir erzählt, ihm kämen seine besten Einfalle, wenn er völlig entspannt und ausgeruht sei, und nicht etwa, wenn er sich das Gehirn nach Ideen zermartere.

Dr. Bates hat bewiesen, daß Augen, die genügend Sonnenlicht bekommen und nicht überanstrengt werden, auch im Alter ihre Kraft behalten, weil sie beim Gebrauch entspannt waren — das Geheimnis jeder gesunden Leistungsfähigkeit. Wie außerordentlich gut die Sehkraft primitiver Völker ist, wird durch folgende Geschichte veranschaulicht: Einer meiner Studenten, der die eigene Sehkraft für weite Entfernungen geschult hatte, stellte bei einem Indianerstamm in der Wüste Untersuchungen an.

Eines Tages, während er mit einem alten Indianer in der Wüste spazierenging, erblickte er durch einen starken Feldstecher am Horizont einen Hirsch. Er zeigte auf ihn und fragte seinen Begleiter, was für ein Tier das sei. Der alte Indianer warf den Kopf in den Nacken, richtete seinen Blick in die Weite und sagte: „Ein Hirsch, der in südlicher Richtung zieht.” Mein Student glaubte, der Alte sei weitsichtig und sehe in der Nähe schlecht – er leide an der sogenannten „Alterssichtigkeit” unserer Zivilisation. Er nahm deshalb ein wenig Wüstensand, streute ihn auf seine Hand und zeigte ihn dem Alten. Der sah sich die Hand an und schilderte genau den daraufliegenden Sand.

Dr. Bates befaßte sich mit dem Sehvorgang selbst, nicht mit dem Auge. Denn sobald sich das Sehen bessert, bessert sich meist von allein auch das Augenleiden. Verkrampfung, Überanstrengung und Dezentralisation – Dezentralisation liegt vor, wenn zum Sehen ein falscher Teil der Netzhaut und nicht das- Sehzentrum gebraucht wird – sind die Ursachen mangelhaften Sehens oder, wie es in der Fachsprache heißt, eines „Brechungsfehlers”. Wird die Verkrampfung ausgeschaltet, so berichtigt sich der Brechungsfehler von selbst. Die Schulmedizin vertritt die gegenteilige Auffassung: der Brechungsfehler ist Ursache der Verkrampfung; sie korrigiert den Brechungsfehler, aber die Verkrampfung bleibt unbeachtet. Obwohl Dr. Bates Arzt und Chirurg war, ist seine Methode im wesentlichen psychologisch-erzieherischer Art — nicht medizinischer.

Wir, die wir seine Methode lehren, kümmern uns um physiologische und pathologische Probleme nicht. Es besteht für uns auch kein Grund dazu. Die Erfahrung lehrt: wenn Menschen mit mangelhaftem Sehvermögen richtig sehen lernen, dann werden automatisch auch organische Augenleiden behoben. Ein entspanntes Auge wird besser durchblutet als eines, das falsch gebraucht oder überanstrengt wird. Je besser aber ein Organ durchblutet ist, um so leichter kann es größere Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten entwickeln und zugleich andere Mängel überwinden.

Nun liegt die Frage nahe, was Sie selbst gegen die Mängel Ihres Sehens unternehmen können. Lesen Sie aufmerksam die Beschreibung der Übungen in seinem Buch und führen Sie diejenigen Übungen aus, die für Ihren besonderen Fall geeignet sind. Lassen Sie sich davon überzeugen, daß Verkrampfung das Grundübel ist und die Ursache für Brechungsfehler und andere, noch ernstere Komplikationen.

Nehmen Sie sich fest vor, die Verkrampfung zu überwinden. Führen Sie die vorgeschriebenen Übungen täglich ebenso regelmäßig durch, wie Sie Ihre Mahlzeiten einnehmen. Sie werden über die Ergebnisse erstaunt sein: Sie werden nicht nur besser sehen, sondern auch Ihr gesamtes Nervensystem wird sich kräftigen und Ihre Leistungsfähigkeit gegenüber den Beanspruchungen des täglichen Lebens wachsen. Die Entspannung des Körpers und Geistes bringt sogar eine freudigere seelische Verfassung mit sich und gibt Ihnen einen hübscheren Gesichtsausdruck.
Wer nur eine Teilbesserung seiner Sehkraft erfährt, muß die Entspannungsübungen unbedingt fortsetzen, damit die Teilbesserung erhalten bleibt. Wer dagegen eine vollkommene Normalisierung erreicht, wird eine dauernde Besserung erleben und kann auf weiteres Üben verzichten, da ihm seine guten Sehgewohnheiten in Fleisch und Blut übergegangen sind – und eingefleischte Gewohnheiten bleiben lebenslänglich haften.